Trockenheit und fehlende Wasserreserven entwickeln sich für die Landwirtschaft zu einer immer größeren Herausforderung. Der Wasserstress in Deutschland und weiten Teilen Europas bleibt hoch. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das nicht nur ein erhöhtes Risiko von Ertragseinbußen. Auch die Versorgung mit Futtermitteln, die Bewässerung und die langfristige Bewirtschaftung der Flächen geraten stärker in den Mittelpunkt.
Besonders für den Ökolandbau stellt sich die Frage, wie Betriebe ihre Anbaumethoden an längere Trockenperioden und eine zunehmend unsichere Wasserversorgung anpassen können.
Wasser wird zum entscheidenden Produktionsfaktor
Ohne ausreichende Wasserversorgung können Nutzpflanzen ihr Ertragspotenzial nicht ausschöpfen. Bleiben Niederschläge über längere Zeit aus, trocknen Böden aus und Pflanzen geraten unter Stress.
Problematisch ist dabei nicht allein die Niederschlagsmenge. Entscheidend sind ebenso der Zeitpunkt und die Verteilung des Regens. Intensive Niederschläge innerhalb kurzer Zeit können längere Trockenphasen nur begrenzt ausgleichen, insbesondere wenn ausgetrocknete oder verdichtete Böden große Wassermengen nicht schnell genug aufnehmen können.
Für Landwirte steigt damit die Unsicherheit. Entscheidungen über Aussaat, Sortenwahl und Bewirtschaftung müssen getroffen werden, obwohl sich die Wasserversorgung während der Vegetationsperiode nur schwer vorhersagen lässt.
Ökolandbau besonders gefordert
Auch Bio-Betriebe müssen sich auf veränderte Bedingungen einstellen. Dabei kommt der Qualität und Struktur des Bodens eine besondere Bedeutung zu.
Ein Boden mit einer guten Struktur und einem hohen Humusanteil kann Wasser grundsätzlich besser aufnehmen und speichern. Maßnahmen zum Humusaufbau, abwechslungsreiche Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte und eine möglichst dauerhafte Bodenbedeckung können deshalb Bestandteile einer Anpassungsstrategie sein.
Solche Maßnahmen lösen das grundsätzliche Problem anhaltender Trockenheit allerdings nicht. Fehlen über einen langen Zeitraum ausreichende Niederschläge, geraten auch gut bewirtschaftete Böden an ihre Grenzen.
Die Herausforderung besteht deshalb darin, landwirtschaftliche Systeme widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen zu machen.
Trockenheit kann Ernten unmittelbar treffen
Besonders kritisch wird Wassermangel während empfindlicher Entwicklungsphasen einer Pflanze. Fehlt beispielsweise während Wachstum, Blüte oder Kornbildung ausreichend Wasser, kann sich dies unmittelbar auf Ertrag und Qualität auswirken.
Die wirtschaftlichen Folgen können erheblich sein. Geringere Erntemengen bedeuten weniger verkaufsfähige Ware. Gleichzeitig bleiben zahlreiche Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs bestehen.
Auch die Qualität der Erzeugnisse kann leiden. Damit entscheidet nicht allein die Menge darüber, ob eine Ernte wirtschaftlich erfolgreich ist.
Viehhalter trifft Wassermangel gleich mehrfach
Für Betriebe mit Tierhaltung kann eine Trockenperiode noch weitere Folgen haben. Wenn Wiesen und Weiden weniger Biomasse produzieren, steht weniger betriebseigenes Futter zur Verfügung.
Das betrifft beispielsweise Gras, Heu und Silage. Fallen die Erträge auf den Futterflächen geringer aus, müssen Betriebe gegebenenfalls auf vorhandene Reserven zurückgreifen oder zusätzliche Futtermittel zukaufen.
Damit kann aus einem Problem auf dem Feld schnell ein Kostenproblem im Stall werden.
Gerade für ökologisch wirtschaftende Tierhalter ist eine verlässliche Futtergrundlage von großer Bedeutung. Wiederkehrende Trockenperioden machen deshalb eine langfristige Planung von Futterreserven und Flächennutzung wichtiger.
Bewässerung ist nicht überall die Lösung
Naheliegend erscheint, fehlenden Regen durch künstliche Bewässerung auszugleichen. Doch auch diese Möglichkeit hat Grenzen.
Bewässerungsanlagen verursachen Investitions- und Betriebskosten. Hinzu kommt, dass Wasser selbst während ausgeprägter Trockenperioden zu einer knappen Ressource werden kann. Landwirtschaft, private Haushalte, Industrie und Natur haben gleichzeitig Bedarf.
Die zentrale Frage lautet deshalb zunehmend nicht nur, wie viel Wasser Landwirtschaft benötigt, sondern auch, wie vorhandenes Wasser möglichst effizient genutzt werden kann.
Technische Verfahren können dabei helfen, Wasser gezielter einzusetzen. Gleichzeitig gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Kulturen an einem Standort unter den jeweiligen klimatischen und bodenkundlichen Bedingungen langfristig sinnvoll angebaut werden können.
Landwirtschaft muss sich anpassen
Die Anpassung an Trockenheit dürfte deshalb aus mehreren Bausteinen bestehen. Dazu gehören eine Verbesserung der Bodenstruktur und Wasserspeicherfähigkeit ebenso wie angepasste Fruchtfolgen, geeignete Sorten, effizientere Bewässerungsverfahren und ein möglichst sparsamer Umgang mit vorhandenen Wasserressourcen.
Auch die Wahl des Aussaatzeitpunkts und die Gestaltung der Bodenbearbeitung können eine Rolle spielen.
Dabei gibt es keine universelle Lösung. Ein sandiger Standort reagiert anders auf Trockenheit als ein schwerer, tiefgründiger Boden. Auch Niederschlagsmengen, Temperaturen und angebaute Kulturen unterscheiden sich regional erheblich.
Anpassungsmaßnahmen müssen deshalb auf den jeweiligen Betrieb und Standort zugeschnitten werden.
Wasserstress wird zur wirtschaftlichen Frage
Für Landwirte ist die Entwicklung nicht nur ein ökologisches Problem. Sie betrifft unmittelbar die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe.
Sinkende Erträge können auf höhere Aufwendungen treffen. Bewässerung kostet Energie und Geld, zusätzlich benötigtes Futter ebenfalls. Gleichzeitig können Investitionen erforderlich werden, um einen Betrieb widerstandsfähiger gegen Trockenperioden zu machen.
Damit wächst das unternehmerische Risiko.
Besonders problematisch wird es, wenn Extremjahre nicht mehr als seltene Ausnahme auftreten, sondern Betriebe ihre gesamte Produktionsplanung stärker auf wiederkehrende Trockenphasen ausrichten müssen.
Gesunde Böden werden immer wertvoller
Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Boden. Er ist nicht nur die Grundlage für die Nährstoffversorgung der Pflanzen, sondern zugleich ein wichtiger Wasserspeicher.
Je besser Niederschläge in den Boden eindringen und dort gespeichert werden können, desto länger können Pflanzen Trockenphasen überstehen. Bodenverdichtung, Erosion und fehlende Bodenbedeckung können dagegen dazu beitragen, dass wertvolles Wasser schneller verloren geht.
Deshalb gewinnt Bodenschutz auch als Teil der Klimaanpassung an Bedeutung.
Für den Ökolandbau ist das ein besonders interessantes Feld. Viele dort etablierte Bewirtschaftungsmaßnahmen zielen bereits auf Bodenfruchtbarkeit und biologische Aktivität. Unter zunehmendem Wasserstress bekommen diese Eigenschaften eine zusätzliche Bedeutung.
Der Kampf um jeden Regentropfen
Der anhaltend hohe Wasserstress zeigt, vor welcher langfristigen Aufgabe Europas Landwirtschaft steht. Es geht nicht allein darum, die nächste Trockenperiode zu überstehen. Betriebe müssen ihre Produktionssysteme so weiterentwickeln, dass sie mit stärkeren Schwankungen der Wasserverfügbarkeit umgehen können.
Für Bio-Landwirte bedeutet das, vorhandene Stärken wie vielfältige Fruchtfolgen, Bodenbedeckung und Humusmanagement konsequent weiterzuentwickeln – gleichzeitig aber auch die Grenzen dieser Maßnahmen anzuerkennen.
Denn selbst der beste Boden kann fehlenden Regen nicht unbegrenzt ersetzen.
Wasser könnte damit zu einem der entscheidenden Faktoren für die Zukunft der europäischen Landwirtschaft werden. Wie gut es gelingt, Niederschläge im Boden zu halten, Wasser effizient einzusetzen und Anbausysteme an längere Trockenperioden anzupassen, wird zunehmend darüber mitentscheiden, welche Erträge auf Europas Feldern künftig noch zuverlässig erzielt werden können.
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