Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe arbeiten nach ökologischen Standards – ganz ohne offizielles Bio-Siegel. Sie setzen auf regionale Vermarktung, kurze Wege und eine direkte Verbindung zur Kundschaft statt auf Bürokratie und Zertifizierungen.

Im hessischen Butzbach betreiben Jan Winter, Stefan Zimmer und Maximilian Reuhl gemeinsam den Direktvermarkter Hoffreunde. Ihre Produkte stammen ausschließlich aus eigener Herstellung. Auf dem Lindenhof hält Winter rund 450 Schweine im Strohstall – mit gentechnikfreiem Futter und artgerechter Haltung. Geschlachtet wird direkt auf dem Hof.

„Ein Siegel würde viele Kunden preislich ausschließen“, so Winter. „Wir setzen auf Vertrauen.“

Auch Stefan Zimmer wirtschaftet nachhaltig – ohne Label. Auf dem Seefeldhof baut er Kartoffeln an und nutzt eine eigene Biogasanlage. Für ihn passt Bio nicht zu den fruchtbaren Böden der Wetterau.

„Nachhaltigkeit muss regional sinnvoll umsetzbar sein.“

Maximilian Reuhl bietet Erdbeeren von Mai bis Oktober an – in Töpfen kultiviert, außerhalb der klassischen Bio-Regeln. Dennoch greifen viele Kunden lieber zu regionaler Ware als zu Bio-Importen.

Die Bio-Zertifizierung empfinden viele Betriebe als aufwändig, teuer und praxisfern. Auch Metzger wie Stefan Meige sehen darin eine Belastung. Trotz hoher Standards verzichten sie bewusst auf das Siegel.

Fazit

Bio ist für viele Landwirte eine Orientierung – aber nicht das Ziel. Statt auf Labels setzen sie auf Transparenz, Tierwohl und regionale Lösungen. Für immer mehr Verbraucher zählt dabei nicht das Siegel, sondern der direkte Draht zum Erzeuger.

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