Wie lässt sich Bio in die Kita oder Schule bringen – frisch, regional und bezahlbar? Dieser Frage gingen rund 25 Teilnehmende aus Küchen, Kitas und Schulen am 10. September auf dem Rouenhof in Kevelaer nach. Eingeladen hatten die Öko-Modellregion Niederrhein und die Landwirtschaftskammer NRW, um gemeinsam mit Küchenverantwortlichen, Pädagog:innen und Lieferanten über Chancen, Herausforderungen und Lösungen zu sprechen.

Und der Ort war gut gewählt: Der Rouenhof, ein Demeter-Hof mit eigener Direktvermarktung und Energieversorgung, bot die ideale Kulisse für eine lebendige Mischung aus Praxiswissen, Inspiration und Austausch.


Warum Bio? Warum jetzt?

Gleich zu Beginn machten Claire Nogherotto (Landwirtschaftskammer NRW) und Kirstin Aryan (ÖMR Niederrhein) deutlich: Der Bio-Anteil in der Schul- und Kitaverpflegung ist verschwindend gering – gerade einmal 1,3 Prozent in der Außer-Haus-Verpflegung bundesweit. Und auch Nordrhein-Westfalen hinkt mit 6,1 % Bio-Flächenanteil dem selbstgesteckten Ziel von 20 % bis 2030 deutlich hinterher.

Dabei ist der Nutzen klar: Gesündere Mahlzeiten, weniger Pestizidrückstände, bessere Tierhaltung und ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Dass Bio in der Kita oder Schule möglich ist, zeigen zahlreiche Praxisbeispiele – es braucht nur den ersten Schritt und etwas Planung.


Klimaschutz mit Messer und Gabel

Hofleiter Bernd Verhoeven führte die Gruppe über den Rouenhof und erklärte, wie ökologische Landwirtschaft konkret aussieht: Verzicht auf chemisch-synthetische Mittel, Tierhaltung auf Stroh, Zwischenfruchtanbau und geschlossene Nährstoffkreisläufe. Seine Botschaft: Nachhaltige Landwirtschaft schützt Boden, Wasser und Klima – und produziert Lebensmittel, die Kindern wirklich guttun.

„Sprechen Sie mit Eltern über den Klimanutzen von Bio-Lebensmitteln – da stoßen Sie oft auf offene Ohren“, riet Verhoeven. „Denn für ihre Kinder wollen die meisten das Beste.“


Biokisten: Frisch, flexibel, regional

Auch Lösungen für die praktische Umsetzung standen im Fokus: Mehrere Biohöfe aus der Region stellten ihre Biokistensysteme vor – darunter der Biohof Etzold, der Biohof Büsch und das Biomobil Wesel. Gemeinsam bieten sie individuelle Lieferpläne, flexible Mengen und die Möglichkeit zur Testphase.

Das Ziel: Planbare, regionale Versorgung mit Bio-Lebensmitteln – direkt in Kitas, Schulen und Großküchen.


Kosten und Kalkulation – geht das überhaupt?

Eine häufige Sorge: Bio ist zu teuer. Doch auch hier lieferte Kirstin Aryan klare Ansätze:

  • Speiseabfälle vermeiden

  • Rezepte anpassen (z. B. weniger Fleisch)

  • Auf saisonale und regionale Produkte setzen

  • Schrittweise Umstellung (z. B. mit Getreideprodukten beginnen)

  • Frisch kochen statt Fertigprodukte – günstiger und gesünder

Mit digitalen Tools zur Menü- und Kostenplanung, kostenloser Beratung und Programmen wie RIBE-AHV können Einrichtungen Bio systematisch und finanzierbar in den Alltag integrieren.


Weitere Station: Archehof Lühlerheide

Am 12. September fand eine ähnliche Veranstaltung auf dem Archehof Lühlerheide in Schermbeck statt. Neben einem Hofrundgang mit Landwirt Finn Wantia und Naturpädagoge Stefan Leiding erfuhren die Teilnehmenden alles über Bio-Vermarktung, Fördermöglichkeiten und pädagogische Programme wie „Lernort Bauernhof“.


Fazit: Bio kann jeder – auch in der Kita oder Schulmensa

Die Veranstaltungen zeigten: Bio muss nicht kompliziert oder teuer sein – mit guten Partnern, klaren Zielen und etwas Know-how lässt sich viel bewegen. Und gerade in Kitas und Schulen kann nachhaltige Ernährung früh verankert werden – als Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Geschmack.

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