Die biologische Landwirtschaft in Europa steht vor einer entscheidenden Phase. Neue Vorschriften, ambitionierte Ziele und gezielte Förderung sollen dafür sorgen, dass Bio nicht nur weiter wächst, sondern auch glaubwürdig, nachhaltig und wirtschaftlich tragfähig bleibt. Im Zentrum steht dabei der EU-Aktionsplan für den Bio-Sektor – ein umfassendes Maßnahmenpaket, das Erzeugung, Nachfrage und Innovation gleichermaßen stärken will.
Neue Regeln für ein faires Bio-Europa
Seit dem 1. Januar 2022 gelten in der EU neue Bio-Vorschriften. Sie wurden notwendig, weil der Sektor in den letzten Jahren dynamisch gewachsen ist – und mit ihm die Herausforderungen. Die neue Verordnung schafft mehr Klarheit, stärkere Kontrollen und einheitliche Standards für alle Beteiligten. Die wichtigsten Neuerungen:
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Weniger Ausnahmen, dafür klarere Regeln für die Produktion
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Strengere Kontrollen entlang der gesamten Lieferkette
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Gleiches Recht für alle: Auch Betriebe außerhalb der EU müssen dieselben Standards erfüllen
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Mehr Bio-Produkte unter Kontrolle, darunter auch Bienenwachs, Wolle oder Wildprodukte
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Einführung der Gruppenzertifizierung – ein Erleichterung für kleinere Höfe
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Maßnahmen gegen Pestizidverunreinigung, um das Vertrauen der Verbraucher zu schützen
Vom Konsens zum Konzept: So entstand das neue Bio-Regelwerk
Bevor die neuen Vorschriften beschlossen wurden, durchliefen sie einen breiten Konsultationsprozess: Schon 2012 lud die Europäische Kommission Verbraucherorganisationen, Verbände und Expert:innen zur Mitgestaltung ein. Ihre Stimmen wurden gehört – und flossen in die Gesetzgebung ein. Seit 2014 bildet die neue Bio-Verordnung das rechtliche Rückgrat der ökologischen Produktion in der EU.
Der Bio-Aktionsplan der EU: 23 Schritte in die Zukunft
Um den Ökolandbau in der gesamten EU auf Kurs zu bringen, hat die Kommission einen umfassenden Aktionsplan mit 23 Maßnahmen vorgelegt. Dieser verfolgt drei zentrale Ziele:
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Bio stärken und Vertrauen schaffen
→ Mehr Sichtbarkeit im Handel, Bio-Label in der Gemeinschaftsverpflegung, öffentliche Beschaffung mit Bio-Kriterien -
Erzeugung und Umstellung fördern
→ Unterstützungsprogramme für Landwirt:innen, Ausbau der Lieferketten, Zugang zu Beratung und Wissen -
Vorbild für Nachhaltigkeit sein
→ Förderung von Biodiversität, Bodenschutz, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft im Bio-Sektor
Der Plan soll helfen, das große Ziel der EU zu erreichen: 25 % Bio-Flächenanteil bis 2030 – ein ambitioniertes, aber machbares Ziel, wenn alle mitziehen.
Forschung & Innovation: Bio braucht neue Ideen
Damit Bio nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich bleibt, investiert die EU kräftig in Forschung und Entwicklung – etwa über die Programme „Horizont 2020“ und „Horizont Europa“. Dort werden gezielt Projekte gefördert, die:
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Erträge steigern, ohne die Umwelt zu belasten
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innovative Anbaumethoden erproben
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neue Technologien für Bio-Betriebe entwickeln
In der Europäischen Innovationspartnerschaft EIP-AGRI arbeiten Landwirt:innen direkt mit Wissenschaftler:innen zusammen – mit dem Ziel, praxistaugliche Lösungen zu finden und schneller in die Betriebe zu bringen.
Auch das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT-Food) unterstützt Bio mit Programmen rund um Unternehmertum, Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Agrarbereich.
Fazit: Bio in Europa – mehr als ein Trend
Mit klareren Regeln, einem durchdachten Aktionsplan und gezielten Investitionen in Forschung zeigt die EU: Der Bio-Landbau soll nicht nur wachsen, sondern besser werden – ökologisch, ökonomisch und sozial. Damit wird Bio zu einem zentralen Baustein der europäischen Landwirtschaft der Zukunft.
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