Was zählt beim Einkaufen wirklich? Der Preis? Das Logo auf der Verpackung? Oder doch das Leben dahinter – das Tier im Stall, der Salat auf dem Feld?

Ein Blick in den neuen Ernährungsreport 2024 zeigt: Die Deutschen kaufen bewusster – und das stärker denn je. Tierwohl, Biosiegel, Nutri-Score – was früher nur für eine kleine Nische zählte, wird für Millionen zur klaren Entscheidungshilfe an der Supermarktkasse.

Tierwohl wird zum neuen Standard

65 Prozent der Deutschen achten inzwischen beim Einkauf auf das Tierwohllabel – fast doppelt so viele wie noch vor wenigen Jahren. Die Zeiten, in denen man wegschaut, wenn es um Herkunft und Haltung ging, sind vorbei. Die Botschaft ist klar: Wer Fleisch isst, will wissen, wie das Tier gelebt hat – und viele wünschen sich, dass es ein gutes Leben war.

Auch das EU-Biosiegel (für 59 % wichtig) und die Nährwert-Ampel Nutri-Score beeinflussen die Kaufentscheidung zunehmend. Immerhin 88 Prozent haben den Score schon einmal bewusst wahrgenommen. Gesunde Ernährung ist im Alltag angekommen – aber eben nicht als Zwang, sondern als neue Gewohnheit.

Obst, Gemüse, Regionalität: Mehr als ein Trend

80 Prozent achten auf Saisonalität, 77 Prozent kaufen bevorzugt aus der Region. Die Verbindung zu Herkunft und Jahreszeit ist für viele Konsumenten zu einem zentralen Wert geworden – ein Gegenentwurf zur globalen Billigware.

Und auch wenn der tägliche Fleischkonsum seit Jahren zurückgeht (von 34 % im Jahr 2015 auf 23 % heute), ist der Hunger nach echten Alternativen groß: 39 Prozent greifen inzwischen regelmäßig zu vegetarischen oder veganen Produkten – ein deutlicher Anstieg.

Was zählt am meisten? Der Geschmack.

Trotz aller Siegel, Labels und Werte bleibt eines ganz vorn: 92 Prozent der Menschen sagen, der gute Geschmack ist das Wichtigste beim Essen – mehr noch als Gesundheit, Regionalität oder Tierwohl. Minister Cem Özdemir brachte es auf den Punkt: „Die Menschen wollen Wahlfreiheit und gute Qualität – keine Bevormundung.“

Die neue Esskultur: Bewusst. Persönlich. Unaufhaltsam.

Der Ernährungsreport zeigt, dass die Esskultur in Deutschland im Wandel ist – nicht von oben verordnet, sondern von unten gewollt. Nicht als Ideologie, sondern als neue Normalität.

Es geht nicht mehr nur um das Was auf dem Teller. Sondern um das Wie. Und für immer mehr Menschen um das Warum.

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