Lange galt der Bio-Boom als Hoffnungsträger der Landwirtschaft. Mehr Tierwohl, bessere Böden, gesündere Produkte. Doch jetzt ist klar: Die Realität auf den Höfen sieht anders aus. Viel dramatischer.
Statt Wachstum: Rückzug. Statt Gewinn: Subvention.
2024 haben in Deutschland fast 800 Biobetriebe aufgegeben. Zum zweiten Mal in Folge schrumpft die Zahl der Ökobauern – und mit ihr der Glaube, dass Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich tragfähig ist. Die Fläche wächst zwar noch leicht, doch der Preis dafür ist hoch: Ohne massive Subventionen wären viele Höfe längst pleite.
Im Schnitt kommen bei Bio-Bauern inzwischen 80 % des Einkommens aus staatlichen Hilfen. Zum Vergleich: Bei konventionellen Betrieben liegt dieser Anteil bei unter einem Drittel. Die Wahrheit ist: Die meisten Biobetriebe arbeiten defizitär – und werden künstlich am Leben gehalten.
Milch, Getreide, Preise – alles im Sinkflug
Besonders hart trifft es die Biomilch-Betriebe. Seit Monaten sinkt der Absatz. Auf dem Markt ist zu viel Ware – und die Verbraucher halten sich zurück. Zwar liegen die Preise aktuell bei rund 65 Cent pro Liter, doch für 2026 kündigen Molkereien bereits eine spürbare Preiskorrektur nach unten an.
Der Druck wächst. Discounter wie Aldi – heute Deutschlands größter Biohändler – bieten Bioprodukte zu Tiefpreisen an. Für viele Betriebe bedeutet das: mehr verkaufen, aber weniger verdienen. Der Absatz im Fachhandel stagniert. Gleichzeitig explodieren Kosten für Biofutter, Weidehaltung und neue Tierwohl-Vorgaben.
Die große Bio-Illusion
Was einst als nachhaltiges Erfolgsmodell gefeiert wurde, wirkt heute wie eine Blase, die leise platzt. Das zeigt auch ein Blick auf die Umsätze:
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Die Umsatzerlöse je Hektar bei Bio sanken 2025 um 5,5 % – auf durchschnittlich 2.478 Euro.
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Bei konventionellen Betrieben lagen sie bei 4.789 Euro, trotz Preisrückgängen.
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Investitionen gehen zurück, Rücklagen fehlen.
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Die Umstellungsbereitschaft konventioneller Betriebe ist so niedrig wie nie.
„Bio ist kein Selbstläufer mehr“, sagt Dr. Arne Dahlhoff von der Landwirtschaftskammer NRW. Bürokratie, hohe Produktionskosten und eine widersprüchliche Agrarpolitik machten es den Betrieben schwer. „Viele halten nur noch durch – nicht durch.“
Wie konnte es so weit kommen?
Der Kern des Problems: Das Bio-Versprechen funktioniert nur in einem stabilen Marktumfeld – mit loyalen Käufern, fairen Preisen und politischer Rückendeckung. Doch die Realität sieht anders aus:
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Die Kaufkraft sinkt. Verbraucher greifen zu günstigeren Alternativen.
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Neue Labels mit „hohem Tierwohl“ treten in Konkurrenz zu Bio.
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Staatliche Vorgaben wachsen, aber ohne finanzielle Kompensation.
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Und vor allem: Der Markt hat sich vom Ideal entfernt.
Ohne Discounter kein Wachstum. Aber Discounter zerstören die Preismodelle der Pioniere. Bio ist zur Marke ohne Marge geworden.
Fazit: Bio braucht ein neues Fundament – oder wird weiter wegbrechen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Ökolandbau steht an einem Scheideweg. Wer Bio will, muss mehr als Subventionen liefern. Er muss Bauern Sicherheit geben. Kunden aufklären. Märkte fair gestalten. Und Produkte nicht zum Billigetikett verkommen lassen.
Andernfalls erleben wir bald, wie das nachhaltigste Agrarmodell, das wir je hatten, leise verschwindet.
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