Klimaschutz braucht Tempo – und Platz. Windräder, Solarfelder, Stromtrassen: Der Umbau des Energiesystems ist in vollem Gange. Doch während die einen von günstiger, grüner Energie profitieren, fühlen sich andere übergangen. Gemeinden, die sich mit Windrädern den Horizont verbauen, während der Strom in entfernte Städte fließt. Regionen, die kaum Flächen haben, aber hohe Nachfrage. Dörfer, die planen wollen – aber nicht gehört werden.

Wie lässt sich das ändern?

Eine Antwort liefert das Forschungsprojekt EmPowerPlan – mit einer Frage, die bisher zu selten gestellt wird:
Wie verteilen wir erneuerbare Energien gerecht?


🔍 Gerechtigkeit – mehr als ein Bauchgefühl

Die Studien des Öko-Instituts zeigen: Gerechtigkeit beim Ausbau erneuerbarer Energien lässt sich messen, modellieren und planen. Ob nach Fläche, nach Bevölkerungsdichte oder nach Verbrauch – jedes Verteilprinzip führt zu anderen Ergebnissen für Stromerzeugung, Kosten, Emissionen oder Importbedarf.

Besonders bei der Windenergie wird das deutlich: Wird dort gebaut, wo der Verbrauch am höchsten ist, steigen Systemkosten und Importbedarf. Wird hingegen nach fairer Flächenverteilung geplant, verbessert das die Akzeptanz – aber nicht unbedingt die Effizienz.

Die gute Nachricht: Bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen lassen sich gesellschaftliche Kriterien wie Landschaftsschutz oder Beteiligung deutlich stärker gewichten – ohne nennenswerte Einbußen bei Effizienz oder Kosten. Hier entsteht echter Spielraum für Mitbestimmung.


🗺 Konsensräume: Wenn Gerechtigkeit und Planung sich treffen

Die Forschenden entwickelten sogenannte „Konsensräume“ – Flächen, auf denen sich verschiedene Vorstellungen von Gerechtigkeit überschneiden. Dafür wurden Daten zu Bevölkerung, Stromverbrauch, Flächenverfügbarkeit und Umweltaspekten kombiniert.

Das Ergebnis: eine fundierte, transparente Planungsgrundlage, die nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche Faktoren einbezieht. In einem Workshop mit der Region Oderland-Spree wurden diese Konsensräume erstmals diskutiert – als Modell für zukunftsfähige Regionalplanung.


💡 Energiewende braucht Akzeptanz – und die entsteht durch Teilhabe

Wer Klimaschutz will, muss Menschen mitnehmen. Das Projekt zeigt: Gerechte Energieverteilung ist kein Wunschdenken, sondern Planungsrealität – wenn politische Debatten rechtzeitig geführt und regionale Stimmen gehört werden.

Die Energiesysteme der Zukunft dürfen nicht nur nachhaltig sein. Sie müssen auch fair sein.

Denn nur dann entsteht Akzeptanz – und aus Konfliktflächen werden Möglichkeitsräume.


Fazit:
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist mehr als Technik. Es ist ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess – über Teilhabe, Fairness und Verantwortung. Die Studien aus dem Projekt EmPowerPlan zeigen: Mit Daten, Beteiligung und einem klaren Blick auf Gerechtigkeit lässt sich die Energiewende sozial verträglich gestalten.

Und das ist vielleicht das wichtigste Fundament für jede nachhaltige Zukunft.

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