Pflanzenschutzmittel verboten, Mineraldünger erlaubt – klingt wie der perfekte Kompromiss. Doch ist das wirklich die Zukunft des Pflanzenbaus? Oder nur eine Idee, die auf dem Papier besser funktioniert als in der Praxis?

An der Universität Hohenheim wird derzeit ein neues Konzept erforscht: NOcsPS – No Chemical Synthetic Plant Protection, also Ackerbau ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, aber mit Mineraldünger. Ein Mittelweg zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft. Klingt innovativ, oder?

Doch die entscheidende Frage lautet: Braucht das wirklich jemand?


Zwischen Idealismus und Realismus

Die Idee hat zweifellos Charme. Die Ökolandwirtschaft hat gezeigt, dass man mit Know-how, cleverer Fruchtfolge und moderner Hacktechnik viel erreichen kann – oft ganz ohne Gift. Warum also nicht diesen Ansatz auf konventionelle Flächen übertragen und durch Mineraldünger die Erträge stabil halten?

Weil es schlicht zu spät ist.


Der Markt ist dicht, die Lager sind voll

Die Strukturen der Landwirtschaft – vom Lagerhaus bis zum Supermarkt – sind längst festgefahren. Es gibt Öko, es gibt Konventionell. Und irgendwo dazwischen noch ein Dutzend Labels, die kaum jemand wirklich durchschaut.
Jetzt noch eine weitere Kategorie? Der Handel stöhnt schon jetzt unter Label-Flut und Regalkonflikten. Eine echte Wertschöpfungskette für diesen „Sonderweg“ ist nicht in Sicht – und ohne wirtschaftlichen Anreiz bleibt’s beim Konzept.


Kopfgeburt oder Keimzelle?

Bleiben zwei Möglichkeiten:

  1. Idealisten greifen zu. Bauern, die ohnehin lieber ohne chemischen Pflanzenschutz arbeiten würden, aber auf Dünger nicht verzichten wollen, könnten sich hier wiederfinden – auch ohne Prämie.

  2. Die Idee bleibt hartnäckig. Vielleicht entwickelt sich in zehn Jahren doch noch eine Nische, die tragfähig wird.

Aber Stand heute wirkt das Ganze eher wie ein gedankliches Konstrukt – eine Kopfgeburt mit guten Absichten, aber ohne tragfähige Beine.


Fazit: Die Idee ist spannend – aber nicht marktreif

Der 3. Weg mag ein interessantes Experiment sein. Doch Landwirtschaft ist mehr als eine akademische Übung. Sie ist gelebte Praxis, harte Ökonomie – und ein eng getaktetes System, in dem neue Wege entweder schnell Fuß fassen oder auf der Strecke bleiben.

Wer glaubt, dass ausgerechnet „öko-light“ die Zukunft des Pflanzenbaus ist, unterschätzt die Trägheit des Marktes – und die Kräfte, die heute schon an echten Lösungen arbeiten.

Oder sehen Sie das anders?

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