Ein Schritt abseits des Weges, und plötzlich wird der Boden weich. Das Wasser steigt in die Schuhe, der Untergrund schwankt wie ein riesiger Schwamm. Wo eben noch fester Boden war, gibt es auf einmal nur noch Schwingrasen – ein lebendiges Geflecht aus Torfmoos, das auf Wasser schwimmt. Kein fester Grund. Kein Halt. Und doch: ein Ort voller Kraft.
Moore galten lange als vergessene Landschaften – mystisch, unheimlich, unbrauchbar. Heute jedoch rücken sie ins Zentrum einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie retten wir das Klima?
Die Rückkehr der versunkenen Landschaften
Manche Moore sehen heute noch nicht aus wie Moore. Vor zwei Jahren etwa war eine Fläche im Norden des Landes überwuchert mit Sträuchern und kleinen Bäumen. Doch unter der Oberfläche lag noch immer eine dicke Schicht Torf verborgen – und mit ihr die Hoffnung auf Wiedergeburt.
Nach dem Entfernen des Gehölzes und ersten Renaturierungsmaßnahmen kehrten typische Moorpflanzen zurück. Torfmoos, Pfeifengras, Sonnentau – und bald auch die Rufe der Kraniche, die solche Lebensräume brauchen.
Was wie Verfall wirkte, erwies sich als ruhendes Potenzial.
Klimaspeicher unter unseren Füßen
Moore speichern riesige Mengen an Kohlenstoff – weitaus mehr als Wälder auf derselben Fläche. Doch sobald sie trockengelegt werden, beginnt der gespeicherte Kohlenstoff als CO₂ in die Atmosphäre zu entweichen. Inzwischen ist klar: Trockengelegte Moore zählen zu den größten Einzelemittenten von Treibhausgasen in Deutschland. Die Lösung klingt einfach – und ist doch aufwendig: Wasser zurückbringen.
Nur wenn Moore nass bleiben, bleibt auch das CO₂ im Boden. Die Umkehr dieses Prinzips bedeutet: Je mehr Wasser ins Moor zurückkehrt, desto mehr Kohlenstoff bleibt gebunden. Wiedervernässung ist aktiver Klimaschutz.
Alte Fehler, neue Wege
In vielen Regionen sind die Spuren der Vergangenheit noch sichtbar. Entwässerungsgräben aus dem 19. Jahrhundert, gezogen unter preußischer Verwaltung, ziehen sich bis heute durch Wälder und Felder. Sie sollten Sümpfe trockenlegen und Flächen urbar machen. Was damals als Fortschritt galt, entpuppt sich heute als Teil des Problems.
Doch der Wandel hat begonnen. In mehreren Gebieten wird nun das getan, was lange undenkbar schien: Die Gräben werden verschlossen, das Wasser darf wieder steigen. Hölzerne Spundwände blockieren das Abfließen. Was einmal Moor war, darf wieder Moor werden.
Inmitten scheinbar gewöhnlicher Wälder zeigen seltene Pflanzen wie der Königsfarn, dass diese Orte einst feuchte Refugien waren. Und sie könnten es wieder sein.
Hoffnung mit nassen Füßen
Der Weg zurück ist mühsam. Oft müssen Büsche entfernt, Gräben geschlossen, Wasserläufe neu organisiert werden. Doch der Lohn ist groß: Moore kühlen die Landschaft, speichern Wasser in Trockenzeiten und puffern Starkregen ab. Sie sind nicht nur Klimaretter, sondern auch Oasen für Artenvielfalt.
Und manchmal braucht es nur einen Schritt ins sumpfige Gelände, um zu begreifen, wie fragil und kostbar diese Orte sind.
Was wankt, hält oft mehr zusammen, als man denkt.
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