Noch vor wenigen Jahren galt der Ökolandbau in Sachsen-Anhalt als Erfolgsgeschichte. Immer mehr Betriebe stellten um, die Flächen wuchsen, politische Ziele schienen greifbar. Doch nun zeigt sich ein anderes Bild: Die ökologische Landwirtschaft verliert Fläche – und Tempo.
Innerhalb von zwei Jahren ist die ökologisch bewirtschaftete Fläche deutlich geschrumpft. Tausende Hektar, die zuvor nach Bio-Richtlinien bestellt wurden, sind weggefallen. Auch die Zahl der Betriebe sinkt. Was ist passiert?
Vom Wachstum zur Ernüchterung
Der Aufschwung war politisch gewollt und finanziell unterstützt. Förderprogramme, klare Zielmarken und gesellschaftlicher Rückenwind sorgten für Dynamik. Viele Landwirte wagten den Schritt in den Ökolandbau – überzeugt von besseren Preisen, wachsender Nachfrage und langfristiger Perspektive.
Doch Märkte reagieren sensibel. In den vergangenen Jahren gerieten die Preise für Ökoprodukte unter Druck, besonders im Getreidebereich. Gleichzeitig stiegen Produktionskosten – für Energie, Dünger, Personal.
Das Ergebnis: Bio ist nicht automatisch wirtschaftlich sicherer.
Wirtschaftlichkeit vor Ideologie
Der Bauernverband warnt vor einer einseitigen politischen Steuerung. Für Landwirte sei entscheidend, ob sich ihre Produkte verlässlich verkaufen lassen. Wer umstellt, investiert – in Technik, in Beratung, in neue Abläufe. Diese Investitionen müssen sich rechnen.
Wenn Absatzwege unsicher sind oder Preise schwanken, wird die ökologische Bewirtschaftung zum Risiko. Und in einer Branche mit ohnehin schmalen Margen wiegt jedes Risiko schwer.
Strukturwandel statt Rückschritt?
Die sinkende Zahl der Betriebe bedeutet allerdings nicht zwangsläufig eine Abkehr vom Ökolandbau. Manche Höfe geben auf, andere werden übernommen oder wachsen. Entscheidend ist die Fläche – und auch hier zeigt sich: Der Boom ist vorerst vorbei.
Ob es sich um eine kurzfristige Delle oder um einen grundlegenden Trend handelt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Markt entscheidet mit.
Zwischen Anspruch und Realität
Gesellschaftlich ist der Wunsch nach nachhaltiger Landwirtschaft ungebrochen. Doch an der Ladenkasse zeigt sich oft ein anderes Bild. Steigende Lebenshaltungskosten lassen viele Verbraucher wieder stärker auf den Preis achten.
Der Ökolandbau steckt damit in einem Spannungsfeld: politisch erwünscht, ökologisch sinnvoll – aber wirtschaftlich herausfordernd.
Wohin führt der Weg?
Soll Sachsen-Anhalt den Anteil ökologischer Flächen wieder steigern, braucht es mehr als Förderprogramme. Gefragt sind stabile Absatzmärkte, langfristige Verträge, regionale Wertschöpfungsketten und eine Nachfrage, die auch in Krisenzeiten trägt.
Der Bio-Boom hat gezeigt, was möglich ist. Die aktuelle Stagnation zeigt, wie fragil das System bleibt.
Am Ende gilt für viele Landwirte eine einfache Rechnung:
Überzeugung allein reicht nicht – es muss sich auch rechnen.
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