Interviewer: Heute wurden neue Zahlen zum ökologischen Gemüseanbau veröffentlicht. 2025 werden bereits rund 16 % der Gemüseflächen in Deutschland ökologisch bewirtschaftet. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Expertin (Dr. Anna Keller, Agrarökonomin):
Das ist ein echter Meilenstein. Dass inzwischen etwa ein Sechstel der gesamten Gemüsefläche ökologisch bewirtschaftet wird, zeigt, wie stark sich der Bio-Sektor etabliert hat. Wir sprechen hier von einem deutlichen Wachstum gegenüber den Vorjahren – sowohl flächenmäßig als auch strukturell.


Interviewer: Welche Kulturen haben besonders zu diesem Wachstum beigetragen?

Dr. Keller:
Vor allem Karotten, Kürbis, Zwiebeln und Rote Bete verzeichnen starke Zuwächse. Das sind robuste Kulturen, die sich gut in ökologische Fruchtfolgen integrieren lassen und gleichzeitig eine hohe Nachfrage im Handel genießen. Gerade Karotten sind seit Jahren ein „Bio-Klassiker“ und haben 2025 nochmals kräftig zugelegt.


Interviewer: Was sind die Hauptgründe für dieses Rekordwachstum?

Dr. Keller:
Wir sehen mehrere Faktoren:

  1. Stabile Nachfrage nach Bio-Produkten, besonders im Lebensmitteleinzelhandel.

  2. Politische Fördermaßnahmen auf Bundes- und Landesebene.

  3. Bessere Vermarktungsstrukturen und langfristige Lieferverträge.

  4. Ein wachsendes Umweltbewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Zudem reagieren viele Betriebe auf steigende Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz mit einer Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung.


Interviewer: Welche Herausforderungen bringt das Wachstum mit sich?

Dr. Keller:
Der ökologische Gemüsebau ist arbeitsintensiv. Themen wie Fachkräftemangel, steigende Lohnkosten und Klimarisiken bleiben große Herausforderungen. Auch die Preisstabilität ist entscheidend – Bio-Produkte müssen für Betriebe wirtschaftlich tragfähig bleiben.


Interviewer: Welche Rolle spielt die Politik?

Dr. Keller:
Die Bundesregierung verfolgt weiterhin das Ziel, den Ökolandbau auszubauen. Programme zur Umstellungsförderung, Investitionshilfen und Forschung im Bereich nachhaltiger Anbausysteme tragen maßgeblich dazu bei. Wichtig ist jedoch Planungssicherheit für die Betriebe.


Interviewer: Wie sehen Sie die Zukunft des Bio-Gemüseanbaus in Deutschland?

Dr. Keller:
Wenn Nachfrage und politische Rahmenbedingungen stabil bleiben, könnte der Anteil ökologisch bewirtschafteter Gemüseflächen in den nächsten Jahren weiter steigen. Besonders spannend wird sein, wie Innovationen – etwa im Bereich mechanische Unkrautbekämpfung oder klimaresiliente Sorten – den Sektor weiterentwickeln.


Interviewer: Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Keller:
Sehr gerne.

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