In Nürnberg duftet es nach frisch gebackenem Dinkelbrot, exotischen Gewürzen und fair gehandeltem Kaffee. Auf den Gängen werden Hände geschüttelt, neue Produkte verkostet, Lieferverträge diskutiert. Die BIOFACH, die weltweit führende Messe für Bio-Lebensmittel, hat ihre Tore geöffnet – und zeigt eine Branche zwischen Optimismus und Herausforderung.
Die Zahlen sprechen zunächst für sich: Der Bio-Markt wächst weiter. Verbraucher greifen zunehmend zu nachhaltigen Produkten, Supermärkte bauen ihr Sortiment aus, Start-ups bringen innovative Ideen auf den Markt. Bio ist längst kein Nischensegment mehr, sondern fester Bestandteil des Lebensmittelhandels.
Wachstum mit Schattenseite
Doch hinter dem Erfolg verbirgt sich ein strukturelles Problem. Während die Nachfrage steigt, kann die heimische Produktion nicht immer Schritt halten. Der deutsche Handel ist zunehmend auf Importe angewiesen – von Getreide über Obst bis hin zu Futtermitteln.
Das hat mehrere Gründe: stagnierende oder rückläufige Bio-Flächen in einigen Regionen, hohe Produktionskosten, unsichere Märkte und komplexe Umstellungsprozesse für landwirtschaftliche Betriebe. Gleichzeitig wächst der Druck auf Preise und Lieferfähigkeit.
Die Folge: Bio-Produkte legen zwar an Umsatz zu, doch ein wachsender Anteil stammt aus dem Ausland.
Global vernetzt – lokal verwurzelt?
Auf der Messe wird dieser Widerspruch sichtbar. Neben regionalen Erzeugern präsentieren sich internationale Anbieter aus ganz Europa, Lateinamerika oder Asien. Bio ist global geworden – doch viele Konsumenten wünschen sich regionale Kreisläufe und kurze Transportwege.
Für Händler ist das eine Gratwanderung: Sie müssen Verfügbarkeit und Vielfalt sichern, gleichzeitig aber Nachhaltigkeitsansprüche erfüllen.
Innovation als Antwort
Die Branche setzt auf Innovation. Neue Anbaumethoden, digitale Lieferketten, Kooperationen zwischen Landwirten und Handel sollen helfen, die heimische Produktion zu stärken. Auch politische Rahmenbedingungen spielen eine Rolle – von Förderprogrammen bis zu Flächenzielen für den Ökolandbau.
Zugleich entstehen neue Geschäftsmodelle: Direktvermarktung, Bio-Abokisten, regionale Netzwerke. Sie sollen Produzenten unabhängiger vom globalen Markt machen.
Zwischen Boom und Balanceakt
Die Stimmung auf der BIOFACH ist positiv, fast euphorisch. Doch die Gespräche zeigen auch: Der Erfolg des Bio-Marktes ist kein Selbstläufer. Wachstum allein reicht nicht, wenn die Produktionsbasis bröckelt.
Die zentrale Frage lautet: Wie kann der Bio-Boom so gestaltet werden, dass er nicht nur Umsatz bringt, sondern auch regionale Wertschöpfung stärkt?
Nürnberg ist in diesen Tagen das Schaufenster einer Branche im Wandel. Zwischen Probierhäppchen und Vertragsverhandlungen entscheidet sich, ob Bio in Deutschland nicht nur verkauft – sondern auch verstärkt hierzulande produziert wird.
Denn Nachhaltigkeit endet nicht am Supermarktregal.
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