Die ökologische Landwirtschaft in Deutschland setzt ihren Wachstumskurs fort – wenn auch nur mit kleinen Schritten. Laut den aktuellen Strukturdaten des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wurden im Jahr 2024 rund 1,91 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche ökologisch bewirtschaftet. Das entspricht einem Anteil von 11,5 Prozent – ein Plus von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Bundesminister Alois Rainer sieht darin ein wichtiges Signal: „Der Ökolandbau ist ein starker Partner für eine nachhaltige Landwirtschaft und eine lebendige ländliche Region.“ Die steigende Bio-Fläche zeige, dass Verbraucherinnen und Verbraucher zunehmend zu ökologisch erzeugten Lebensmitteln greifen. Doch hinter dem positiven Trend verbirgt sich auch eine andere Realität.
Weniger Bio-Höfe – strukturelle Probleme bleiben
Während die Fläche zunimmt, ist die Zahl der Bio-Betriebe leicht rückläufig: 35.881 Höfe wirtschaften derzeit ökologisch – das sind 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Gründe dafür sind vielfältig: Viele Betriebsleitende erreichen das Rentenalter, ohne dass eine Nachfolge in Sicht ist. Andere geben wegen wirtschaftlicher Unsicherheit oder fehlender Unterstützung auf. Der Strukturwandel macht auch vor dem Bio-Sektor nicht halt.
Minister Rainer betont daher: „Wer auf Bio umstellen oder im Ökolandbau bleiben will, braucht gezielte Unterstützung – sei es durch praxisnahe Forschung, bessere Marktchancen oder durch weniger bürokratische Hürden.“
Neuer Blick auf die Zahlen ab 2026
Ein weiterer Umbruch steht bevor: Ab 2026 wird die Erhebung der Bio-Strukturdaten ausschließlich durch das Statistische Bundesamt erfolgen. Kleinere Betriebe, die bisher mitgezählt wurden, fallen dann aus der Statistik heraus. Das bedeutet: Die offiziellen Zahlen zur Bio-Fläche und zu den Betrieben werden voraussichtlich sinken – nicht, weil weniger Bio erzeugt wird, sondern weil sich die Zählweise ändert.
Gleichzeitig bringt die Umstellung Vorteile: Die Datenbasis wird klarer, transparenter und rechtlich besser abgesichert. Das neue Agrarstatistikgesetz schafft dafür die Grundlage.
Fazit: Kleine Schritte in eine grünere Zukunft
Trotz Rückschlägen und Herausforderungen bleibt der Ökolandbau ein Hoffnungsträger für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Jede zusätzliche Bio-Fläche bedeutet: weniger Pestizide, mehr Artenvielfalt, mehr Tierschutz. Und jeder Hof, der ökologisch wirtschaftet, bringt diesen Wandel in die Mitte der Gesellschaft.
Doch klar ist auch: Bio braucht nicht nur Überzeugung – sondern auch politische Rückendeckung, faire Preise und die Bereitschaft, Landwirtschaft als Gemeinschaftsaufgabe zu sehen.
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