Bioenergie ist einer der ältesten und vielfältigsten Wege, Energie zu erzeugen – und gleichzeitig einer der umstrittensten. Denn unter dem Begriff verbirgt sich ein weites Spektrum an Rohstoffen, Technologien und Anwendungen: von Biogas aus Gülle über Biodiesel aus Raps bis hin zu Strom aus Holzpellets.

🌾 Rohstoffvielfalt mit Folgen

Bioenergie kann aus Energiepflanzen wie Mais, Raps oder Zuckerrohr gewonnen werden, aber auch aus schnellwachsenden Gehölzen, Holz aus der Forstwirtschaft oder biogenen Abfällen aus Landwirtschaft, Industrie und Haushalten. Diese Biomasse kann gasförmig, flüssig oder fest in allen Energiesektoren eingesetzt werden – vom Verkehr bis zur Wärme- und Stromproduktion.

Doch gerade der Anbau von Energiepflanzen steht in der Kritik: Er konkurriert mit dem Anbau von Nahrungsmitteln, kann zu steigenden Lebensmittelpreisen führen, Kleinbauern verdrängen und Ökosysteme wie Wälder oder Moore gefährden.

🌍 Globale Auswirkungen und iLUC-Effekt

Ein zentrales Problem ist der sogenannte iLUC-Effekt (indirect land use change). Wenn Ackerflächen für Energiepflanzen genutzt werden, muss der Anbau von Lebensmitteln oft auf neue Flächen ausweichen – häufig durch Rodung von Wäldern. Das kann die CO₂-Bilanz von Biokraftstoffen sogar negativ machen.

📉 Flächeneffizienz: Bioenergie abgeschlagen

Im Vergleich mit anderen erneuerbaren Energien ist Bioenergie besonders flächenintensiv. Während Photovoltaik auf einem Hektar bis zu 800 MWh Strom pro Jahr liefern kann, schafft Mais in einer Biogasanlage im Schnitt nur 20 MWh. Wind- und Solarenergie schneiden also deutlich besser ab – auch weil sie keine wertvollen Ackerflächen beanspruchen.

✅ Besser: Energie aus Reststoffen

Umweltfreundlicher ist die Nutzung von biogenen Abfällen – etwa Gülle, Grünschnitt oder Lebensmittelresten. Diese Rohstoffe stehen nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und können sogar ökologische Vorteile bringen, etwa durch bessere Düngereigenschaften von vergorener Gülle.

🌲 Holz – nicht automatisch nachhaltig

Auch Holz wird oft als klimafreundlich dargestellt. Doch das gilt nur, wenn nicht mehr Holz entnommen wird als nachwächst – und der Kohlenstoff langfristig gebunden bleibt, etwa in Möbeln oder Bauholz. Direktes Verbrennen in Kaminen oder Öfen setzt das CO₂ dagegen sofort frei und belastet zusätzlich die Luft mit Feinstaub.

🧭 Bioenergie in der Energiewende: Begrenzter Beitrag

Obwohl Bioenergie aktuell noch eine große Rolle bei den erneuerbaren Energien spielt, zeigt die RESCUE-Studie des Umweltbundesamts: Eine klimaneutrale Energieversorgung ist auch ohne Anbaubiomasse möglich – durch konsehnten Ausbau von Wind- und Solarenergie, Effizienzmaßnahmen, Wärmepumpen und intelligente Speicherlösungen.

🔍 Fazit

Bioenergie ist nicht per se gut oder schlecht. Ihr Beitrag zur Energiewende hängt stark von der Herkunft der Biomasse, der Art der Nutzung und dem jeweiligen Kontext ab. Klar ist aber:

  • Anbaubiomasse sollte reduziert,

  • Reststoffe vorrangig genutzt

  • und stoffliche Verwendungen (z. B. für biobasierte Kunststoffe oder Holzprodukte) bevorzugt werden.

Nur so kann Bioenergie nachhaltig und sozialverträglich zum Energiemix beitragen – als gezielter Baustein und nicht als Massenlösung.

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