Auf dem deutschen Milchmarkt zeichnet sich eine überraschende
Entwicklung ab: Biomilch wird knapp. Was auf den ersten Blick nach einer
positiven Nachricht für die Landwirte klingt, hat auf den zweiten Blick
komplexe Ursachen – und wirft Fragen über die Stabilität des Marktes
auf.
In den vergangenen Jahren war das Angebot an Biomilch stetig gestiegen.
Viele Landwirte hatten auf ökologische Produktion umgestellt, auch
gefördert durch staatliche Programme und den wachsenden Trend zu
nachhaltigen Lebensmitteln. Doch die Realität im Jahr 2025 sieht anders
aus: Die Nachfrage nach Biomilch stagniert, während die
Produktionskosten in den vergangenen Monaten stark gestiegen sind.
Knappheit treibt Preise – aber nicht ohne Risiko
Laut Branchenangaben ist die Menge an Biomilch derzeit so gering, dass
Molkereien Schwierigkeiten haben, alle Lieferverträge zu bedienen. Die
Folge: Die Auszahlungspreise für Biomilch ziehen spürbar an. Landwirte
erhalten aktuell deutlich mehr Geld pro Liter als im Vorjahr.
Was zunächst erfreulich klingt, birgt jedoch Unsicherheit. „Die
Biomilchpreise steigen, weil die verfügbare Menge sinkt – nicht, weil
die Nachfrage kräftig wächst“, erklärt ein Vertreter des Bundesverbands
Deutscher Milchviehhalter. Das sei kein gesundes Wachstum, sondern eine
Marktreaktion auf strukturelle Engpässe.
Verbraucher sind preissensibel
Die hohe Inflation der letzten Jahre hat auch den Biosektor getroffen.
Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher greifen aus Kostengründen
wieder zu konventioneller Milch, obwohl sie in Umfragen regelmäßig
angeben, Nachhaltigkeit wichtig zu finden. Viele Molkereien berichten,
dass der Absatz von Biomilchprodukten im Einzelhandel zurückgeht,
während der Export kaum Zuwächse zeigt.
„Wir haben ein klassisches Dilemma“, so der Agrarökonom Prof. Thomas
Weindl von der Universität Hohenheim. „Die Produzenten müssen ihre
Preise erhöhen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Gleichzeitig
reagieren Konsumenten empfindlich auf steigende Preise – besonders bei
alltäglichen Produkten wie Milch.“
Landwirte zwischen Kostendruck und Umweltschutz
Die steigenden Preise für Biomilch sind für viele Betriebe eine
überfällige Entlastung. Denn die ökologische Tierhaltung ist teurer:
Biofutter, größere Flächen und strengere Auflagen treiben die Kosten in
die Höhe. Gleichzeitig werden die Anforderungen an Tierwohl und
Nachhaltigkeit weiter verschärft.
„Ohne faire Milchpreise können viele Biohöfe nicht überleben“, warnt die
Bioland-Bäuerin Katharina Fuchs aus Bayern. „Wir brauchen langfristige
Verträge und mehr Planungssicherheit. Sonst droht der Markt zu kippen –
und dann fehlt uns bald die heimische Biomilch vollständig.“
Ausblick: Eine Chance für den Umbau der Branche?
Die aktuelle Knappheit könnte langfristig auch eine Chance für den
Marktumbau sein. Viele Fachleute fordern, den Biomilchsektor stärker zu
stabilisieren – etwa durch feste Abnahmeverträge, regionale Lieferketten
und gezielte Verbraucherinformation.
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