Stell dir vor: Ein Fluss, der atmet, der Städte durchquert, Menschen versorgt, Natur beherbergt – und langsam an Plastik erstickt. Genau das passiert mit dem Rhein. Neue Forschungsergebnisse schlagen Alarm: In Köln wurde eine spezielle Müllfalle installiert – und was sie ans Licht brachte, übertraf selbst die kühnsten Befürchtungen.

Bis zu 4.700 Tonnen Müll jedes Jahr.
Das sind rund 53.000 Müllteile pro Tag, die an Köln vorbeischwimmen. Und das meiste davon ist Plastik. Unsichtbar für die meisten, aber tödlich für Tiere – und letztlich auch für uns.

Die Zahlen stammen aus einer aufwendigen Langzeitstudie der Universitäten Bonn und Tübingen. Zum ersten Mal wurde Müll im Rhein systematisch gefangen, vermessen, gewogen – mit Hilfe von engagierten Freiwilligen. Sie kommen bei Wind und Wetter, mit Kindern oder in der Rente, und sortieren stundenlang, was andere achtlos wegwerfen.

Ihr Werkzeug: die „RheinKrake“ – eine Müllfalle, die jeden zweiten Samstag ihre Beute preisgibt.

Was sie fanden, ist erschreckend:

  • 70 % des Mülls ist Kunststoff,

  • über die Hälfte stammt direkt aus privaten Haushalten,

  • Feuerwerkskörper machen 10 % aus – obwohl sie nur an einem Tag im Jahr abgefeuert werden.

Zwischen Weinfalschen und Flaschendeckeln trieben auch Kinderspielzeuge, Sexspielzeuge und sogar verlorene Geldbörsen mit Ausweisen im Fluss – Relikte unseres Alltags, die plötzlich zu Umweltgefahren werden.

Und das war nur Köln.

Was passiert in Düsseldorf? In Mainz? In Straßburg? Wie viel Müll tragen unsere Flüsse tatsächlich ins Meer? Die Antwort beginnt gerade erst, sichtbar zu werden – und sie ist alarmierend.

Studienleiterin Leandra Hamann fasst es treffend zusammen:
„Was mich am meisten schockiert hat, war nicht nur das Volumen, sondern wie sehr die Mengen schwanken. Und wie achtlos wir mit einem Ökosystem umgehen, das uns so viel gibt.“

Die gute Nachricht: Die Forschung geht weiter. Die RheinKrake fischt unbeirrt weiter – und jeder kann helfen. Ob als Freiwilliger oder durch eine einfache Entscheidung im Alltag: Müll vermeiden, Pfand zurückgeben, Silvester neu denken.

Denn der Rhein darf nicht zur Plastikautobahn Richtung Ozean werden.
Er ist Leben. Und dieses Leben braucht jetzt unsere Stimme.

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