Der Boden reißt auf, Flüsse führen Niedrigwasser, Wälder trocknen aus. Was heute vielerorts noch als Ausnahme wahrgenommen wird, könnte schon bald zur neuen Normalität werden. Die kommenden fünf Jahre stehen mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einem historischen Rekord: Sie könnten die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein.
Klimaforscher rechnen damit, dass die globale Durchschnittstemperatur in diesem Zeitraum neue Höchstwerte erreicht – und möglicherweise erstmals die symbolisch wie politisch bedeutsame 1,5-Grad-Schwelle überschreitet. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist alarmierend hoch.
Ein Rekord jagt den nächsten
Schon jetzt zeigt der Blick zurück ein klares Muster: Die heißesten Jahre der Messgeschichte liegen fast alle dicht beieinander – und sie gehören der jüngsten Vergangenheit an. Was früher als extremes Einzelereignis galt, reiht sich heute in eine Serie von Rekorden ein.
Die Prognosen lassen wenig Raum für Zweifel: Die Erwärmung beschleunigt sich. Und sie tut das nicht nur wegen langfristiger menschlicher Einflüsse, sondern auch durch natürliche Verstärker, die nun hinzukommen.
El Niño als zusätzlicher Brandbeschleuniger
Einer dieser Verstärker trägt einen bekannten Namen: El Niño. Das wiederkehrende Klimaphänomen entsteht durch ungewöhnlich warmes Oberflächenwasser im Pazifik und wirkt wie ein globaler Temperaturbooster. Wenn El Niño aktiv ist, steigt die Durchschnittstemperatur der Erde zusätzlich an.
Die Folgen sind weltweit spürbar – aber unterschiedlich verteilt:
Dürre und Hitze in einigen Regionen, sintflutartige Regenfälle in anderen. Während Teile Australiens und Südasiens austrocknen, kämpfen Regionen in Afrika, Südamerika oder Nordamerika mit Überschwemmungen. El Niño macht die Wetterextreme extremer.
Die 1,5-Grad-Grenze – mehr als eine Zahl
Die mögliche Überschreitung der 1,5-Grad-Marke ist kein abstrakter Wert. Sie steht für einen Punkt, an dem sich Risiken deutlich erhöhen: häufiger auftretende Hitzewellen, stärkere Stürme, steigende Meeresspiegel und wachsende Belastungen für Ökosysteme und Gesellschaften.
Wichtig ist dabei: Ein temporäres Überschreiten bedeutet nicht automatisch das endgültige Scheitern aller Klimaziele. Aber es wäre ein deutliches Warnsignal, wie nah die Welt an kritische Kipppunkte heranrückt.
Ein Blick nach vorn – und eine Entscheidung
Die kommenden Jahre könnten zum Prüfstein werden: für die Belastbarkeit natürlicher Systeme ebenso wie für politische und gesellschaftliche Reaktionen. Die Wissenschaft liefert die Prognosen, doch wie die Welt darauf reagiert, ist offen.
Fest steht: Die Hitze kommt nicht überraschend. Sie ist das Ergebnis bekannter Entwicklungen – und sie stellt die Menschheit vor eine klare Frage:
Bleiben Rekorde bloße Schlagzeilen?
Oder werden sie zum Wendepunkt?
Die nächsten fünf Jahre werden darauf eine Antwort geben.
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