Waldböden könnten für den Klimaschutz künftig eine noch größere Rolle spielen als bisher angenommen. Eine neue Langzeitstudie zeigt, dass sie unter bestimmten Klimabedingungen zunehmend mehr Methan aus der Atmosphäre aufnehmen können – ein bemerkenswerter Befund, denn Methan zählt zu den besonders wirksamen Treibhausgasen.
Wie top agrar am 20.03.2026 um 16:49 Uhr berichtete, haben Forschende der Universität Göttingen und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) einen außergewöhnlich umfangreichen Datensatz ausgewertet. Die Untersuchung basiert auf Messungen in Buchen- und Fichtenwäldern und liefert neue Erkenntnisse darüber, wie Waldböden langfristig auf veränderte Klimabedingungen reagieren.
Besonders relevant ist das Ergebnis, weil Waldböden bereits heute eine wichtige natürliche Funktion im Klimasystem übernehmen: Sie wirken als sogenannte Methan-Senke. Das bedeutet, dass sie Methan aus der Luft aufnehmen und damit dazu beitragen, die Konzentration dieses klimaschädlichen Gases in der Atmosphäre zu verringern. Laut der Studie stieg die Methanaufnahme der untersuchten Waldböden im Durchschnitt sogar um rund 3 Prozent pro Jahr. Die Datengrundlage stammt aus 13 Waldstandorten im Südwesten Deutschlands, an denen über Zeiträume von bis zu 24 Jahren wiederholt gemessen wurde.
Die Forschenden führen diese Entwicklung vor allem auf veränderte Umweltbedingungen zurück. Sinkende Niederschläge sorgen für trockenere Böden, in die Methan leichter eindringen kann als in feuchte Böden. Gleichzeitig können Mikroorganismen bei steigenden Temperaturen Methan schneller abbauen. Damit zeigt die Studie, dass Klimaveränderungen nicht zwangsläufig nur negative Folgen für diese wichtige Bodenfunktion haben müssen – zumindest nicht in allen Regionen und unter allen Bedingungen.
Bemerkenswert ist außerdem, dass die Ergebnisse bisherigen internationalen Untersuchungen teilweise widersprechen. Während frühere Studien – insbesondere aus den USA – eher auf eine sinkende Methanaufnahme von Waldböden hindeuteten, zeigt die deutlich umfangreichere Langzeitbeobachtung aus Südwestdeutschland das Gegenteil. Genau das macht deutlich, wie wichtig regionale Unterschiede und langfristige Messreihen für die Bewertung von Klimafolgen sind.
Für die Diskussion um Klimaschutz und ökologische Leistungen von Wäldern ist diese Studie deshalb hoch relevant. Wälder sind nicht nur Kohlenstoffspeicher über ihre Biomasse, sondern ihre Böden übernehmen zusätzlich eine oft unterschätzte Funktion im Treibhausgas-Haushalt. Die neuen Ergebnisse legen nahe, dass Waldböden im Zuge des Klimawandels in bestimmten Regionen sogar an Bedeutung als natürliche Klimaschützer gewinnen könnten.
Die Langzeitstudie zeigt damit eindrucksvoll: Wer über Klimaschutz spricht, sollte nicht nur auf Bäume schauen – sondern auch auf das, was unter ihnen geschieht. Denn im Waldboden arbeiten unscheinbare Prozesse, die für das Klima von großer Bedeutung sein können.
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