Mit dem heutigen Tag tritt die überarbeitete EU-Bio-Verordnung von 2022 vollständig in Kraft – und sorgt bereits im Vorfeld für Unruhe. Vor allem kleine Produzenten im globalen Süden sehen sich durch strengere Vorgaben und höhere Kosten in ihrer Existenz bedroht. Fairtrade Deutschland warnt vor massiven Folgen für Produzenten wie auch für Verbraucher.

Hoher Aufwand, hohe Kosten

Kernpunkt der neuen Regelung ist eine verschärfte Rückverfolgbarkeit von Bioprodukten entlang der gesamten Lieferkette. Die Umsetzung erfordert technische und organisatorische Maßnahmen, die viele Kleinbauern kaum stemmen können.

„Die Umsetzung ist mit enormen Kosten verbunden. Viele werden sich die Bio-Zertifizierung künftig nicht mehr leisten können“, erklärt Claudia Brück, Vorständin bei Fairtrade Deutschland.

Ein besonders großes Problem sei der Interpretationsspielraum in den neuen Vorschriften. Dadurch entstehe zusätzlicher bürokratischer Aufwand – gerade für Kooperativen, die ihre Strukturen nun anpassen müssen.

„Um alle Produzenten zu erreichen, braucht es mehr Personal und Schulung“, betont Lorena Perdomo Romero von der honduranischen Kaffeekooperative Cafescor.

Lieferengpässe befürchtet

Fällt ein großer Teil der Produzierenden aus der Bio-Zertifizierung heraus, drohen Engpässe bei beliebten Produkten wie Kaffee, Kakao und Bananen. Einige Unternehmen hätten bereits begonnen, Vorräte anzulegen, berichtet Brück.

„Viele Importeure befürchten, ab Oktober nicht mehr ausreichend Ware zu bekommen.“

Gute Idee, schlecht umgesetzt?

Fairtrade begrüßt grundsätzlich das Ziel, weltweit einheitliche Standards zu schaffen. Die Realität zeige jedoch, dass die Anforderungen an vielen Stellen zu praxisfern seien. In der Folge könnten Bio-Produkte knapper und teurer werden – mit Auswirkungen für den gesamten Markt.

„Steigende Rohstoffpreise und flexible Absatzmärkte führen dazu, dass Produzenten auch ohne Bio-Siegel gute Preise erzielen“, so Brück. „Die Motivation zur Bio-Zertifizierung sinkt – und mit ihr das Angebot.“

Fairtrade-Markt wächst trotzdem

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen verzeichnet Fairtrade ein Wachstum: Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Absatz um 6 Prozent. Besonders gefragt waren Fairtrade-Bananen (+10 %) und -Kaffee (+7 %).
Der Anteil der Produkte, die zusätzlich auch das EU-Bio-Siegel tragen, lag bei 63 Prozent – ein Rekordwert, der durch die neue Verordnung nun in Gefahr gerät.

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