Die Entwicklung des Ökolandbaus in Deutschland zeigt ein gemischtes Bild: Während die ökologisch bewirtschaftete Fläche insgesamt stagniert, nimmt die Zahl der Bio-Betriebe leicht ab. Das geht aus aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hervor. Doch ein genauerer Blick auf die Bundesländer zeigt: Die Entwicklung ist alles andere als einheitlich.


Bio-Fläche auf der Stelle, Betriebe unter Druck

Deutschlandweit werden derzeit rund 11,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet – ein Wert, der sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert hat. Auch bei der Zahl der Öko-Betriebe ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen: Immer weniger Höfe entscheiden sich für den Einstieg in den Bio-Sektor, einige steigen aus – teils altersbedingt, teils aus wirtschaftlichen Gründen.


Regionale Unterschiede: Wer aufholt – und wer zurückfällt

Einige Bundesländer trotzen dem Trend – andere fallen weiter zurück. Zu den klaren Aufsteigern zählen:

  • Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: Hier wachsen Bio-Flächen trotz insgesamt schwieriger Marktbedingungen weiter.

  • Bayern und Baden-Württemberg: Diese Länder bleiben stabile Bio-Hochburgen mit einer gut entwickelten Infrastruktur für Vermarktung und Verarbeitung.

Im Gegensatz dazu zeigen sich in anderen Regionen starke Bremsspuren:

  • Niedersachsen etwa liegt beim Bio-Flächenanteil mit nur rund sechs Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Trotz punktueller Fortschritte verfehlt das Land seine eigenen Ausbauziele deutlich.

  • Nordrhein-Westfalen stagniert seit Jahren – und verliert zunehmend den Anschluss bei der Umstellung neuer Betriebe.


Warum der Bio-Boom ins Stocken gerät

Hinter der stagnierenden Entwicklung stehen mehrere Faktoren:

  • Hohe Kosten und unsichere Märkte schrecken viele potenzielle Umsteller ab.

  • Die Kaufzurückhaltung vieler Verbraucherinnen und Verbraucher – infolge von Inflation und gestiegenen Lebenshaltungskosten – dämpft die Nachfrage nach Bio-Produkten.

  • Bürokratische Hürden und unklare politische Rahmenbedingungen machen den Einstieg für viele Betriebe unattraktiv.


Fazit: Bio braucht Rückenwind

Der deutsche Ökolandbau steht an einem Wendepunkt. Damit das Ziel von 30 Prozent Bio-Fläche bis 2030 erreichbar bleibt, braucht es mehr als politische Willensbekundungen – gefragt sind konkrete Entlastungen für Betriebe, Planungssicherheit und echte Anreize für Umsteiger.

Denn wo die Bedingungen stimmen – wie in Süddeutschland oder im Nordosten – zeigt sich: Bio kann wachsen. Doch ohne gezielte Unterstützung droht der Ökolandbau vielerorts ins Stocken zu geraten.

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