Der Schutz der Natur ist weit mehr als eine ökologische Aufgabe – er ist auch eine soziale Notwendigkeit. Denn gesunde Ökosysteme bilden nicht nur die Grundlage für Biodiversität, sondern auch für menschliches Wohlbefinden, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eine neue Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zeigt nun auf, wie Naturschutzpolitik soziale Aspekte stärker integrieren und dadurch an gesellschaftlicher Akzeptanz und Wirksamkeit gewinnen kann.

Naturschutz braucht soziale Rückkopplung

„Der Schutz der Natur sichert gute Lebensbedingungen auch für uns Menschen. In der Naturschutzpolitik sollten wir soziale Fragen aber noch stärker berücksichtigen – aus sozialpolitischen Gründen und um die gesellschaftliche Unterstützung für Naturschutz zu sichern“, betont Dirk Arne Heyen, Senior Researcher am Öko-Institut.

Die Analyse zeigt: Während der Zusammenhang zwischen Natur und Gesundheit in Strategiedokumenten bereits häufiger thematisiert wird, bleiben andere soziale Dimensionen – wie Beschäftigung, Einkommen und Eigentumsverhältnisse – bisher oft außen vor. Nur wenige Programme, wie die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur oder das Förderprogramm „chance.natur“, adressieren diese Aspekte explizit.

Positive Wirkung durch weiche Instrumente

Besonders effektiv erweisen sich laut Studie sogenannte „weiche“ Naturschutzinstrumente: Förderprogramme, Umweltbildung und Kommunikationsmaßnahmen führen fast durchweg zu positiven sozialen Effekten. Dagegen können ordnungsrechtliche Eingriffe – etwa durch Schutzgebiete oder strenge Artenschutzvorgaben – kurzfristig auch Belastungen verursachen, insbesondere für Akteur*innen in der Land- und Forstwirtschaft.

Empfehlungen für eine sozial integrierte Naturschutzpolitik

Die Studienautor*innen sprechen sich für eine strategische Neuausrichtung aus, bei der ökologische und soziale Zielsetzungen nicht länger getrennt betrachtet werden. Ihre zentralen Empfehlungen lauten:

  • Verankerung sozialer Aspekte in nationalen Naturschutzstrategien, Aktionsplänen und dem derzeit entstehenden Nationalen Wiederherstellungsplan,

  • systematische soziale Folgenabschätzung bei neuen Naturschutzmaßnahmen,

  • intensivere ressortübergreifende Zusammenarbeit zwischen Umwelt-, Sozial-, Agrar- und Wirtschaftsressorts,

  • frühzeitige Beteiligung sozialer Interessengruppen an der Entwicklung von Maßnahmen.

Zudem sollten Förderprogramme gezielt Projekte stärken, die soziale und ökologische Anliegen miteinander verknüpfen – etwa an der Schnittstelle von Naturschutz und Gesundheitsförderung. Projekte, die soziale Ungleichheiten abbauen oder besonders betroffene Gruppen einbinden, sollten bevorzugt gefördert werden.

Für die Land- und Forstwirtschaft, die häufig besonders stark von naturschutzpolitischen Maßnahmen betroffen ist, empfiehlt die Studie vereinfachte Zugänge zu Fördermitteln, mehr Flexibilität in der Umsetzung und gezielte Unterstützung bei der Entwicklung naturschutzfreundlicher Wertschöpfungsketten.

Fazit: Nachhaltigkeit braucht soziale Gerechtigkeit

Die Studie „Naturschutz und soziale Ziele integrieren – Praxisbeispiele und Politikempfehlungen“ zeigt eindrucksvoll: Eine zukunftsfähige Naturschutzpolitik muss soziale Fragen nicht nur mitdenken, sondern aktiv in den Mittelpunkt rücken. Nur wenn ökologische und soziale Ziele gemeinsam verfolgt werden, lassen sich stabile Allianzen für den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen aufbauen.

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