Die Wärmewende nimmt Fahrt auf – und das ist dringend nötig. Denn um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen, müssen fossile Heizungen konsequent durch erneuerbare Alternativen ersetzt werden. Eine echte Erfolgsmeldung gibt es bereits: Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen als Gaskessel verkauft. Doch trotz technischer Fortschritte und wachsender Unterstützung bleibt die große Herausforderung: Wie schaffen wir eine sozial gerechte Wärmewende – für alle?

Wärmepumpen auf dem Vormarsch

Der Siegeszug der Wärmepumpe ist kein Zufall. Die Technologie ist inzwischen erprobt, effizient – und auch in unsanierten Gebäuden einsetzbar. Lieferengpässe sind weitgehend überwunden, das Handwerk ist gerüstet, die Nachfrage hoch. Damit ist ein zentrales Element der Wärmewende auf einem guten Weg.

Auch Fernwärme spielt eine Schlüsselrolle. Zwar stammt sie heute noch zu rund 75 % aus fossilen Quellen, doch das ändert sich: Das Wärmeplanungsgesetz schreibt vor, dass Wärmenetze künftig stärker auf erneuerbare Energien setzen müssen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wird ein fossiles Heizkraftwerk durch Großwärmepumpen ersetzt, wird schlagartig eine ganze Stadt klimafreundlich versorgt.

Fossile Heizungen: Der Zeitfaktor zählt

Trotz positiver Entwicklungen gibt es ein großes Problem: Rund drei Viertel aller Heizungen laufen immer noch mit Gas oder Öl. Ein Heizkessel hat eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren – genau die Zeit, die uns bis zur angestrebten Klimaneutralität 2045 noch bleibt. Das bedeutet: Jeder heute neu installierte fossile Kessel ist ein Hindernis für die Energiewende.

Wirtschaftlichkeit bleibt eine Hürde

Ein zentrales Hemmnis ist die Wirtschaftlichkeit. Zwar wird der Einbau einer Wärmepumpe aktuell mit bis zu 70 % gefördert, doch die hohen Anschaffungskosten – oft zwischen 30.000 und 40.000 Euro – schrecken viele ab. Günstigere fossile Alternativen erscheinen im ersten Moment attraktiver, besonders bei Haushalten mit knappen Budgets.

Zwar rechnet sich die Wärmepumpe langfristig – spätestens mit dem steigenden CO₂-Preis im zweiten europäischen Emissionshandel ab 2028 – doch kurzfristig sind die Investitionskosten für viele untragbar. Derzeit profitieren vor allem wohlhabendere Haushalte von der Förderung.

Sozial gerechte Förderung ist entscheidend

Ein Schritt in die richtige Richtung war die Einführung des Einkommensbonus im Jahr 2023. Haushalte mit einem Jahreseinkommen unter 40.000 Euro erhalten zusätzliche Zuschüsse. Doch dieser Bonus sollte weiterentwickelt und differenzierter ausgestaltet werden – zum Beispiel durch gestaffelte Fördersätze nach Einkommen. So kann verhindert werden, dass einkommensschwächere Eigentümer*innen dauerhaft auf fossile Heizungen angewiesen bleiben und unter steigenden Energiekosten leiden.

Mietende nicht vergessen: Der Dreiklang für faire Wärme

Besonders schwierig ist die Situation im Mietwohnungsbereich. Hier haben die Bewohnerinnen kaum Einfluss auf die Heiztechnologie – und Menschen mit geringem Einkommen leben oft zur Miete. Damit die Wärmewende auch hier sozial gerecht gelingt, schlagen Expertinnen ein Maßnahmenpaket vor:

  1. Mehr Mittel für den sozialen Wohnungsbau – für energieeffiziente und erneuerbar beheizte Wohnungen mit langfristiger Sozialbindung.

  2. Fördersäule „Soziale Wärmewende“ – in der Städtebauförderung, gezielt für Quartiere mit einkommensschwachen Haushalten.

  3. Mietschutz nach Sanierung – durch Förderprogramme, die Vermietende verpflichten, die Mieten nach Modernisierung nicht über ein bestimmtes Niveau hinaus zu erhöhen.

Beratung und Begleitung: Der Schlüssel zur Umsetzung

Viele Menschen sind bereit, in klimafreundliche Heizsysteme zu investieren – doch oft fehlt es an Information, Orientierung und Unterstützung. Genau hier setzen zentrale Beratungsstellen („One-Stop-Shops“) und Sanierungsbegleitung an. Diese niederschwelligen Angebote helfen Eigentümer*innen bei Planung und Umsetzung – und werden auch von der EU-Gebäuderichtlinie eingefordert.

Klimaneutral heizen – für alle und mit allen

Die Wärmewende ist technisch möglich, politisch angestoßen – und sozial gestaltbar. Damit sie gelingt, muss der Umstieg auf erneuerbare Wärme bezahlbar, nachvollziehbar und fair sein. Wenn die 65%-Erneuerbare-Vorgabe beim Heizungstausch bestehen bleibt und soziale Gerechtigkeit mitgedacht wird, ist klimafreundliches Heizen bis 2045 erreichbar. Und nicht zuletzt macht uns das unabhängiger von fossilen Energieimporten und stärkt die heimische Wirtschaft.

Die Wärmewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe – lassen wir niemanden zurück.

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