Zur Weihnachtszeit gehört er für viele ganz selbstverständlich dazu: der festlich geschmückte Tannenbaum im Wohnzimmer. Doch was nach Tradition und Gemütlichkeit aussieht, ist in Wahrheit ein Massenprodukt. Jedes Jahr stehen in Deutschland rund 24 Millionen Weihnachtsbäume in den Haushalten – mit entsprechenden Folgen für Umwelt und Klima. Wie umweltfreundlich ist diese Tradition also wirklich?
Vom Setzling ins Wohnzimmer
Die meisten Weihnachtsbäume in Deutschland sind Nordmanntannen. Rund vier von fünf verkauften Bäumen gehören zu dieser Art, die in der Natur mehrere Jahrhunderte alt und dutzende Meter hoch werden kann. Für den weihnachtlichen Einsatz werden sie jedoch jung geschlagen und stammen fast ausschließlich aus speziellen Kulturen außerhalb des Waldes.
Allein in Deutschland wachsen Weihnachtsbäume auf über 19.000 Hektar Anbaufläche. Da das nicht ausreicht, werden jedes Jahr zusätzlich Millionen Bäume importiert, vor allem aus Dänemark, aber auch aus Polen und den Niederlanden. Auf vielen dieser Plantagen kommen Pflanzenschutzmittel, Herbizide und Mineraldünger zum Einsatz, um ein gleichmäßiges Wachstum und sattgrüne Nadeln zu gewährleisten – mit entsprechenden Belastungen für Böden, Wasser und Artenvielfalt.
Öko-Baum oder regionaler Forst?
Naturschutzverbände raten deshalb zu Alternativen: Weihnachtsbäume aus regionalen Forstbetrieben oder aus ökologischem Anbau gelten als deutlich umweltfreundlicher. Bio-Weihnachtsbäume mit EU-Biosiegel oder Zertifizierungen wie Bioland oder Naturland sowie FSC-zertifizierte Bäume werden ohne synthetische Pestizide und Mineraldünger produziert. Sie schonen Böden und fördern die Biodiversität – auch wenn sie meist etwas teurer sind.
Ein Baum voller Leben
Ein Weihnachtsbaum ist mehr als nur Dekoration. Untersuchungen zeigen, dass in einem einzigen Baum tausende kleine Lebewesen leben können – von Spinnen über Mücken bis hin zu Eintagsfliegen. Besonders bei ökologisch angebauten Bäumen ist die Artenvielfalt höher. Die meisten dieser Tiere verlassen den Baum von selbst oder überleben die trockene Heizungsluft ohnehin nicht lange.
Gelegentlich können sich auch Zecken im Geäst verstecken. Ein einfaches Mittel: den Baum vor dem Aufstellen kräftig ausschütteln – das machen viele Händler bereits vor dem Verkauf.
Was passiert nach den Feiertagen?
Nach Weihnachten stellt sich die Entsorgungsfrage. Die beste Lösung ist die kommunale Abholung. Fachgerecht geschreddert werden die Bäume energetisch genutzt oder kompostiert. Vom Verbrennen im Kamin raten Fachleute ab: Das Holz ist meist zu feucht, was zu hoher Feinstaubbelastung und Schäden am Ofen führen kann.
Richtig entsorgt, kann der Weihnachtsbaum also Teil eines natürlichen Kreislaufs werden – und sogar zur Energiegewinnung oder Bodenverbesserung beitragen.
Naturbaum oder Plastikbaum?
Auch der Vergleich mit dem künstlichen Weihnachtsbaum fällt weniger eindeutig aus, als oft angenommen wird. Plastikbäume – meist in Asien produziert – verursachen bei Herstellung und Transport hohe CO₂-Emissionen. Je nach Modell kann es viele Jahre dauern, bis sich ihre Umweltbilanz gegenüber einem Naturbaum ausgleicht.
Ökobilanz-Expert*innen betonen jedoch: Insgesamt ist der ökologische Fußabdruck eines Weihnachtsbaums – ob echt oder künstlich – im Vergleich zu vielen anderen Konsumgütern eher gering. Entscheidend sind Herkunft, Anbauweise, Transportwege und Nutzungsdauer.
Die nachhaltigste Wahl
Am besten schneidet ein regional gewachsener, ökologisch produzierter Naturbaum ab, der nach den Feiertagen fachgerecht entsorgt wird. Wer zusätzlich auf umweltfreundlichen Schmuck aus Naturmaterialien, Gebasteltes oder langlebige Deko setzt, kann die Umweltbilanz weiter verbessern.
So bleibt der Weihnachtsbaum das, was er sein soll: ein Symbol der Festtage – mit möglichst kleinem ökologischen Fußabdruck.
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