Die Bio-Branche in Schleswig-Holstein steht vor einer spürbaren Strukturveränderung: Seit 2022 haben 15 Prozent aller inhabergeführten Naturkostläden ihre Türen für immer geschlossen. Während die Nachfrage nach Bio-Produkten grundsätzlich weiter vorhanden ist, verlagert sich der Einkauf zunehmend – weg vom kleinen Naturkostladen, hin zu Supermärkten und Discountern, die Bio-Angebote mittlerweile fest in ihr Sortiment integriert haben.

Warum schließen so viele Naturkostläden?

Die Gründe sind vielfältig, aber einige Faktoren stechen heraus:

  • Hohe Personalkosten: In Naturkostläden wird viel Wert auf persönliche Beratung und händische Verpackung gelegt – das macht den Betrieb kostenintensiv.

  • Geringe Kundenfrequenz: In manchen Geschäften ist zeitweise mehr Personal als Kundschaft anwesend.

  • Fehlende Nachfolge: Viele inhabergeführte Läden finden keine Nachfolger, wenn die Betreiber in Rente gehen.

  • Preisbewusstsein der Kunden: Auch bei Bio-Käufern spielt der Preis zunehmend eine Rolle, was die großen Ketten mit aggressiver Preispolitik ausnutzen.

Bundesweiter Trend setzt sich fort

Der Rückgang ist nicht auf Schleswig-Holstein beschränkt. Laut dem Fachmagazin „BioHandel“ schlossen seit 2022 rund 20 Prozent aller Naturkostläden in Deutschland. Besonders betroffen sind kleinere Orte, wo das Kundenpotenzial ohnehin begrenzt ist.

2024 fiel die Zahl der Bio-Supermärkte erstmals unter 2.000 – ein deutlicher Einschnitt für eine Branche, die jahrelang wuchs und sich als Alternative zu industrieller Lebensmittelproduktion verstand.

Widerspruch zwischen Nachfrage und Angebot

Interessanterweise wächst die landwirtschaftliche Bio-Fläche in Deutschland weiter, was auf eine stabile oder sogar steigende Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln hindeutet. Das Problem liegt also nicht im Konsum von Bio-Produkten an sich, sondern in der Vertriebsstruktur: Große Handelsketten dominieren den Markt und verdrängen die kleinen, inhabergeführten Läden.

Beispiel aus der Praxis

Auch Hofläden spüren die Zurückhaltung der Kunden. Während bestimmte Produkte wie Brot stabil verkauft werden, merken viele Anbieter einen Rückgang bei höherpreisigen Produkten wie Käse oder Feinkost.

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