Ein kleines sechseckiges Zeichen hat die deutschen Supermärkte verändert: Seit 25 Jahren gibt es das staatliche deutsche Bio-Siegel. Was 2001 noch ein vergleichsweise überschaubarer Markt war, ist heute im Discounter, Supermarkt und Drogeriemarkt selbstverständlich geworden.

Doch mit dem Erfolg ist auch die Zahl der Zeichen auf Verpackungen gewachsen. Neben dem bekannten deutschen Bio-Siegel finden Verbraucher das grüne EU-Bio-Logo sowie Zeichen von Verbänden wie Bioland, Naturland oder Demeter.

Damit stellt sich zum Jubiläum eine einfache, aber wichtige Frage: Wie streng ist „Bio“ eigentlich – und ist jedes Bio gleich?

Bio ist ein geschützter Begriff

Zunächst die wichtigste Nachricht für Verbraucher: „Bio“ und „Öko“ sind bei Lebensmitteln keine frei erfundenen Werbebegriffe.

Wer Lebensmittel entsprechend vermarktet, muss die gesetzlichen Vorgaben des ökologischen Landbaus erfüllen. Das deutsche Bio-Siegel wurde 2001 eingeführt und kennzeichnet Produkte, die diesen gesetzlichen Bio-Anforderungen entsprechen.

Seit 2012 ist bei entsprechend vorverpackten Bio-Lebensmitteln grundsätzlich das EU-Bio-Logo maßgeblich; das bekannte deutsche sechseckige Bio-Siegel kann zusätzlich verwendet werden.

Das bedeutet: Ein Produkt wird nicht dadurch „mehr Bio“, dass zusätzlich zum EU-Blatt noch das deutsche Sechseck auf der Verpackung steht. Beide orientieren sich an denselben gesetzlichen Grundlagen.

Was bedeutet EU-Bio konkret?

Die EU-Vorgaben unterscheiden ökologische Lebensmittel deutlich von konventioneller Ware.

Die ökologische Landwirtschaft verzichtet beispielsweise auf chemisch-synthetische Stickstoffdünger und schränkt die Möglichkeiten beim Pflanzenschutz erheblich ein. Auch für Tierhaltung, Futtermittel, Verarbeitung und Kontrollen gelten besondere Regeln.

Gentechnisch veränderte Organismen sind im Ökolandbau grundsätzlich nicht vorgesehen.

Bei verarbeiteten Lebensmitteln gilt außerdem eine wichtige Grenze: Damit ein Lebensmittel als Bio-Produkt bezeichnet werden kann, müssen grundsätzlich mindestens 95 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten ökologischen Ursprungs sein.

Bio ist damit keineswegs nur ein grünes Werbeversprechen, sondern ein gesetzlich regulierter Produktionsstandard.

Warum gibt es dann Demeter, Bioland und Naturland?

Hier beginnt der für Verbraucher interessante Unterschied.

Das EU-Bio-System legt den gesetzlichen Rahmen fest. Private Öko-Anbauverbände können ihren Mitgliedern jedoch zusätzliche und strengere Anforderungen vorschreiben.

Genau das tun unter anderem Bioland, Naturland und Demeter.

Bei Bioland ist beispielsweise grundsätzlich die ökologische Bewirtschaftung des gesamten Betriebs vorgesehen. Die EU-Regelungen ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen dagegen auch Betriebe, in denen ökologische und konventionelle Produktion nebeneinander existieren, sofern die Produktionsbereiche entsprechend getrennt werden.

Damit wird deutlich: EU-Bio ist ein verbindlicher Bio-Standard – aber nicht zwangsläufig das Ende dessen, was ökologisch vorgeschrieben werden kann.

Demeter geht noch weiter

Besonders weitreichende eigene Regeln besitzt Demeter.

Der Verband arbeitet nach den Prinzipien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und schreibt seinen Mitgliedern zusätzliche Anforderungen vor, die über die gesetzlichen EU-Bio-Bedingungen hinausgehen.

Der Verband selbst beschreibt das EU-Bio-Niveau entsprechend als Grundlage, über die seine eigenen Anforderungen hinausgehen.

Ähnliches gilt grundsätzlich für andere Öko-Anbauverbände. Deshalb können zwei Lebensmittel beide vollkommen rechtmäßig „Bio“ sein und trotzdem nach unterschiedlich weitreichenden Standards produziert worden sein.

Das billigere Bio-Produkt ist deshalb nicht „Fake-Bio“

Gerade hier entsteht häufig ein Missverständnis.

Ein Bio-Produkt vom Discounter, das lediglich das EU-Bio-Logo trägt, ist nicht automatisch minderwertiges oder „unechtes“ Bio.

Erfüllt es die gesetzlichen Voraussetzungen und wurde entsprechend zertifiziert, handelt es sich um ein Bio-Lebensmittel.

Ein Produkt mit einem zusätzlichen Verbandssiegel kann jedoch Anforderungen erfüllen, die über diesen gesetzlichen Standard hinausgehen.

Für Verbraucher bedeutet das: Der Unterschied liegt nicht zwischen „echtem“ und „falschem“ Bio, sondern häufig zwischen unterschiedlichen Anforderungsniveaus innerhalb der ökologischen Produktion.

Bio sagt nicht automatisch etwas über die Herkunft

Ein weiterer Punkt wird leicht übersehen: Bio und regional sind zwei unterschiedliche Eigenschaften.

Ein Bio-Produkt muss nicht aus Deutschland stammen. Ökologisch erzeugte Lebensmittel können ebenso aus anderen EU-Ländern oder aus Drittstaaten kommen.

Wer neben der Produktionsweise auch Wert auf kurze Transportwege und regionale Herkunft legt, sollte deshalb die Herkunftsangaben auf der Verpackung zusätzlich prüfen.

Ein Bio-Apfel aus weiter Entfernung bleibt ein Bio-Apfel – das Siegel allein verspricht jedoch keine regionale Produktion.

Auch Bio bedeutet nicht automatisch perfekte Tierhaltung

Ähnlich differenziert muss die Tierhaltung betrachtet werden.

Bio-Vorgaben enthalten strengere Anforderungen als die konventionelle Mindestgesetzgebung. Trotzdem bedeutet ein Bio-Siegel nicht, dass sämtliche Vorstellungen eines Verbrauchers von optimaler Tierhaltung automatisch erfüllt werden.

Gerade deshalb sind die zusätzlichen Vorgaben der Anbauverbände interessant.

Je nach Verband bestehen beispielsweise weitergehende Regeln zu Tierbesatz, Fütterung, Betriebsführung oder Haltung. Die Unterschiede können deshalb beim Einkauf von Fleisch, Milch oder Eiern stärker ins Gewicht fallen als bei manchen anderen Produktgruppen.

Warum das Siegel nach 25 Jahren trotzdem wichtig bleibt

Die Vielzahl an Logos kann Verbraucher verwirren. Gleichzeitig hat das staatliche Bio-Siegel einen wesentlichen Vorteil: Es macht einen gesetzlich definierten Produktionsstandard auf der Verpackung schnell sichtbar.

Vor seiner Einführung war der Bio-Markt wesentlich unübersichtlicher.

Heute können Verbraucher zumindest davon ausgehen: Wo eine gesetzlich zulässige Bio-Kennzeichnung verwendet wird, müssen entsprechende Vorgaben eingehalten werden.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu vielen Begriffen aus dem Nachhaltigkeitsmarketing, deren Aussagekraft für Käufer schwerer einzuschätzen sein kann.

Wer mehr Bio will, muss genauer hinschauen

Das 25-jährige Jubiläum zeigt deshalb auch, wie erwachsen der Bio-Markt geworden ist.

Die Frage lautet längst nicht mehr nur: Bio oder konventionell?

Verbraucher können zusätzlich fragen: Nach welchem Standard wurde produziert? Gibt es ein Verbandssiegel? Woher stammen die Rohstoffe? Wie wurden Tiere gehalten? Wie stark wurde das Lebensmittel verarbeitet? Und welche Anforderungen sind mir persönlich wichtig?

Ein EU-Bio-Produkt erfüllt einen gesetzlich festgelegten ökologischen Standard. Bioland, Naturland oder Demeter können darüber hinaus zusätzliche Anforderungen stellen.

Fazit: Bio ist klar geregelt – aber Bio ist nicht gleich Bio

Nach 25 Jahren hat das deutsche Bio-Siegel nichts von seiner Bedeutung als Orientierungshilfe verloren. Verbraucher sollten allerdings wissen, was das Zeichen verspricht – und was nicht.

Bio bedeutet eine gesetzlich geregelte ökologische Produktionsweise. Es bedeutet nicht automatisch regional, maximal tiergerecht, klimaneutral oder nach den strengstmöglichen ökologischen Regeln produziert.

Wer genau diese zusätzlichen Anforderungen sucht, sollte deshalb über das Bio-Logo hinausblicken und Verbandssiegel sowie Herkunft und Produktinformationen berücksichtigen.

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