Pflanzliche Lebensmittel setzen ihren Erfolgskurs in Deutschland fort. Nach einer aktuellen Marktstudie bleibt Deutschland auch 2025 der größte Absatzmarkt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Während insbesondere Milch- und Joghurtalternativen kräftig zulegen, entwickelt sich der Markt je nach Produktgruppe unterschiedlich. Insgesamt wurden mit pflanzenbasierten Lebensmitteln im deutschen Einzelhandel rund 1,71 Milliarden Euro umgesetzt – ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Verkaufsmenge stieg sogar um 6,2 Prozent. Die Zahlen zeigen: Pflanzliche Ernährung ist längst kein Nischentrend mehr, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil des Lebensmittelmarktes.
Deutschland behauptet damit seine Spitzenposition im europäischen Vergleich. Keine andere Nation erzielt mit pflanzlichen Alternativprodukten höhere Umsätze. Grundlage der Untersuchung sind Verkaufsdaten des Marktforschungsunternehmens Circana sowie Verbraucheranalysen von NIQ Homescan, ausgewertet durch das Good Food Institute Europe (GFI Europe).
Markt wächst trotz schwieriger Wirtschaftslage
Bemerkenswert ist die Entwicklung vor allem deshalb, weil der Lebensmittelhandel weiterhin unter einer verhaltenen Konsumstimmung steht.
Trotz hoher Lebenshaltungskosten und einer insgesamt zurückhaltenden Kauflaune entschieden sich die Verbraucher häufiger für pflanzliche Alternativen. Der Gesamtumsatz der sechs wichtigsten Warengruppen – pflanzliche Fleisch-, Fisch-, Milch-, Joghurt-, Käse- und Sahnealternativen – stieg auf 1,71 Milliarden Euro. Gleichzeitig nahm die verkaufte Menge um 6,2 Prozent zu.
Dass die Absatzmenge stärker wächst als der Umsatz, deutet darauf hin, dass pflanzliche Produkte für viele Verbraucher preislich attraktiver geworden sind oder häufiger zu günstigeren Eigenmarken gegriffen wird.
Milchalternativen sind der größte Wachstumstreiber
Besonders dynamisch entwickelte sich erneut der Markt für pflanzliche Milchprodukte.
Pflanzliche Milchdrinks erzielten 2025 einen Umsatz von 632 Millionen Euro und gehören damit zu den wichtigsten Wachstumsmotoren der Branche. Ihr Anteil am gesamten Milchmarkt liegt inzwischen bei rund 9,2 Prozent der verkauften Menge. Hafer-, Soja-, Mandel- oder Erbsendrinks haben sich damit längst als fester Bestandteil vieler Einkaufswagen etabliert.
Auch pflanzliche Joghurtalternativen legten deutlich zu und gehörten zu den am stärksten wachsenden Segmenten des Marktes. Immer mehr Hersteller erweitern ihr Sortiment, während gleichzeitig Geschmack, Konsistenz und Auswahl kontinuierlich verbessert werden.
Fleischalternativen verlieren an Dynamik
Nicht alle Produktgruppen entwickelten sich gleichermaßen positiv.
Der größte Teilmarkt bleibt zwar weiterhin der Bereich der pflanzlichen Fleischalternativen mit einem Umsatz von 751 Millionen Euro, doch hier zeigt sich inzwischen eine gewisse Marktsättigung. Während der Umsatz nahezu unverändert blieb, ging die verkaufte Menge leicht zurück.
Branchenexperten sehen dafür mehrere Gründe. Zum einen erwarten Verbraucher bei Fleischersatzprodukten weiterhin Verbesserungen bei Geschmack und Konsistenz. Zum anderen wächst der Wettbewerb innerhalb des Segments erheblich, sodass Hersteller zunehmend unter Preisdruck geraten.
Eigenmarken treiben den Boom
Ein wesentlicher Wachstumsmotor sind inzwischen die Eigenmarken der großen Supermarkt- und Discounterketten.
Nach Angaben der Studie entfallen mittlerweile rund 60 Prozent des Absatzes pflanzlicher Milchalternativen auf Handelsmarken. Sie bieten den Verbrauchern häufig deutlich günstigere Preise als bekannte Markenhersteller und machen pflanzliche Produkte damit für breitere Bevölkerungsschichten attraktiv.
Parallel investieren viele Handelsunternehmen verstärkt in die Qualität ihrer Eigenmarken. Dadurch sinken die Preisunterschiede zwischen Markenprodukten und günstigeren Alternativen zunehmend.
Preise nähern sich konventionellen Produkten an
Auch die Preisentwicklung trägt zum Wachstum des Marktes bei.
Pflanzliche Milch war 2025 im Durchschnitt nur noch rund zehn Prozent teurer als klassische Kuhmilch. Nach Einschätzung des Good Food Institute wäre dieser Unterschied nahezu vollständig verschwunden, wenn pflanzliche Milch denselben ermäßigten Mehrwertsteuersatz erhalten würde wie tierische Milchprodukte. Derzeit werden pflanzliche Milchalternativen mit 19 Prozent Mehrwertsteuer besteuert, während für Kuhmilch lediglich 7 Prozent gelten.
Die Steuerdiskussion begleitet die Branche bereits seit Jahren und wird von Herstellern regelmäßig als Wettbewerbsnachteil kritisiert.
Innovationen verändern das Sortiment
Neben günstigeren Preisen tragen auch zahlreiche Produktinnovationen zum Marktwachstum bei.
Immer mehr Hersteller entwickeln spezielle Varianten für unterschiedliche Einsatzbereiche – etwa Barista-Haferdrinks für Kaffeespezialitäten, proteinreiche Milchalternativen oder neue Rezepturen mit verbesserter Schaumbildung und cremiger Konsistenz.
Diese Vielfalt spricht längst nicht mehr ausschließlich Veganer oder Vegetarier an. Viele Verbraucher greifen bewusst gelegentlich zu pflanzlichen Produkten, ohne vollständig auf tierische Lebensmittel zu verzichten.
Nachhaltigkeit bleibt wichtiges Kaufargument
Neben gesundheitlichen Aspekten spielt auch der Umweltgedanke für viele Käufer weiterhin eine wichtige Rolle.
Pflanzliche Alternativen verursachen je nach Produkt häufig geringere Treibhausgasemissionen und benötigen weniger landwirtschaftliche Fläche als vergleichbare tierische Erzeugnisse. Gleichzeitig investieren Hersteller verstärkt in regionale Rohstoffe wie Hafer, Erbsen oder Ackerbohnen, wodurch Transportwege verkürzt und heimische Landwirtschaft gestärkt werden können.
Deutschland bleibt Vorreiter in Europa
Mit einem Marktvolumen von 1,71 Milliarden Euro behauptet Deutschland seine Rolle als größter europäischer Markt für pflanzliche Alternativprodukte. Das Wachstum zeigt, dass pflanzenbasierte Lebensmittel inzwischen weit über einen kurzfristigen Ernährungstrend hinausgehen.
Zwar entwickeln sich die einzelnen Produktgruppen unterschiedlich schnell, doch insbesondere Milch- und Joghurtalternativen gewinnen kontinuierlich neue Käufer. Gleichzeitig sorgen günstigere Eigenmarken, verbesserte Produktqualität und sinkende Preisunterschiede dafür, dass pflanzliche Lebensmittel zunehmend im Massenmarkt ankommen.
Für Hersteller, Lebensmittelhandel und Landwirte eröffnet diese Entwicklung neue Chancen. Sollte sich der Trend fortsetzen, dürfte Deutschland seine Spitzenposition im europäischen Markt für pflanzliche Lebensmittel auch in den kommenden Jahren behaupten.
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