In Niedersachsen soll der ökologische Landbau künftig stärker gebündelt und gemeinsam weiterentwickelt werden. Dazu haben mehrere Öko-Anbauverbände, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium den neuen Verein „BioBündnis Niedersachsen“ gegründet. Die Gründungsversammlung fand bereits am 25. August 2026 in Verden (Aller) statt; am 31. August wurde die Gründung auch über das Fachportal Ökolandbau.de als aktuelle Branchenmeldung verbreitet.

Hinter dem neuen Bündnis stehen insgesamt sieben Organisationen und Institutionen. Gründungsmitglieder sind die Bäuerliche Gesellschaft – Demeter im Norden, der Biokreis Erzeugerring Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, der Bioland Landesverband Niedersachsen/Bremen, Naturland, die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau (FÖKO), die Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium. Damit sitzen sowohl landwirtschaftliche Verbände als auch Beratung und Politik gemeinsam an einem Tisch.

Das Ziel geht über eine reine Interessenvertretung hinaus. Das BioBündnis soll sich zu einer zentralen Anlaufstelle für Fragen rund um den ökologischen Landbau in Niedersachsen entwickeln. Vorgesehen sind eine stärkere Vernetzung der unterschiedlichen Akteure, praxisnahe Fachinformationen und die Vermittlung kompetenter Ansprechpartner innerhalb der Branche.

Ein weiterer Schwerpunkt soll auf Forschung und Wissenstransfer liegen. Das Bündnis will Forschungsvorhaben zum ökologischen Landbau anstoßen und weiterentwickeln. Gleichzeitig soll Wissen nicht ausschließlich zwischen landwirtschaftlichen Betrieben ausgetauscht werden. Ausdrücklich einbezogen werden sollen auch Verarbeitung, Handel und Außer-Haus-Verpflegung. Damit nimmt der Verein einen großen Teil der Wertschöpfungskette in den Blick – vom landwirtschaftlichen Betrieb bis zur Verwendung von Bio-Lebensmitteln beispielsweise in Kantinen und Großküchen.

Niedersachsens Agrarstaatssekretärin Frauke Patzke sieht in dem neuen Verein entsprechend eine zentrale Anlaufstelle für den Ökolandbau. Neben Vernetzung und Fachinformationen soll das Bündnis nach ihren Angaben auch Forschungsvorhaben initiieren und den Wissenstransfer zwischen den verschiedenen Bereichen der Bio-Wirtschaft stärken.

Auch für die landwirtschaftliche Praxis soll das Bündnis konkrete Angebote entwickeln. Nach Angaben von Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Schwetje sollen unter anderem Schulungen, Informationsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit dazu beitragen, die nachhaltige Entwicklung ökologischer Betriebe zu unterstützen und die Leistungen des Ökolandbaus stärker sichtbar zu machen. Die Arbeit der Landwirtschaftskammer soll dadurch ergänzt werden.

Biokreis betont vor allem die stärkere Zusammenarbeit innerhalb der Branche. Angesichts knapper werdender Ressourcen werde eine enge Vernetzung wichtiger. Bioland wiederum verbindet mit dem neuen Verein die Erwartung, ökologische Betriebe bei ihrer Weiterentwicklung und Widerstandsfähigkeit zu unterstützen. Demeter hebt die Kooperation innerhalb der Öko-Bewegung hervor, während Naturland seine Erfahrungen in der Vernetzungs- und Informationsarbeit einbringen will.

Eine besondere Rolle spielt auch der ökologische Obstbau. Die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau verweist darauf, dass dieser Bereich für Niedersachsen von großer Bedeutung ist. Verbraucherinformation sowie Zusammenarbeit und Schulung im Bereich der Außer-Haus-Verpflegung könnten deshalb nicht nur den Bio-Sektor allgemein, sondern speziell niedersächsische Obstbaubetriebe stärken.

Bemerkenswert ist die Konstruktion des Bündnisses auch deshalb, weil hier Anbauverbände, Landwirtschaftskammer und Landesregierung institutionell zusammenarbeiten. Das kann Vorteile bringen: Informationen können gebündelt, Projekte gemeinsam entwickelt und Doppelstrukturen möglicherweise vermieden werden. Gleichzeitig wird sich der Erfolg des neuen Vereins daran messen lassen müssen, ob aus der Vernetzung tatsächlich praktische Verbesserungen für Bio-Betriebe und die nachgelagerten Bereiche entstehen.

Denn die Gründung eines neuen Vereins allein führt noch nicht automatisch zu mehr ökologischer Landwirtschaft. Entscheidend wird sein, welche Projekte das BioBündnis auf den Weg bringt, wie viele Betriebe erreicht werden und ob es gelingt, Wissen aus Forschung und Beratung schneller in die landwirtschaftliche Praxis zu übertragen.

Auch die Finanzierung ist bereits grundsätzlich geregelt. Nach Angaben der Beteiligten soll sich der Verein unter anderem aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, zweckgebundenen Mitteln, Zuwendungen der Gründungsmitglieder sowie Einnahmen aus Tagungen, Projekten, Veröffentlichungen und weiteren Leistungen finanzieren.

Damit ist das BioBündnis bewusst breiter aufgestellt als ein ausschließlich staatlich finanziertes Projekt. Wie groß das künftige Budget sein wird und welche konkreten Projekte zuerst umgesetzt werden, geht aus den bislang veröffentlichten Informationen allerdings noch nicht hervor.

Für den niedersächsischen Ökolandbau könnte die neue Organisation dennoch interessant werden. Statt dass Anbauverbände, Landwirtschaftskammer und Ministerium bei bestimmten Fragen getrennt voneinander agieren, soll es künftig eine Plattform geben, auf der Beratung, Forschung, Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung stärker zusammengeführt werden.

Das Fachportal Ökolandbau.de fasst den Anspruch entsprechend mit drei Punkten zusammen: mehr Vernetzung, mehr Wissenstransfer und mehr Unterstützung für Ökobetriebe.

Ob daraus tatsächlich ein zusätzlicher Schub für den Ökolandbau in Niedersachsen entsteht, wird sich erst mit der praktischen Arbeit zeigen. Die Voraussetzungen für eine ungewöhnlich breite Zusammenarbeit sind jedenfalls geschaffen: Mit dem BioBündnis Niedersachsen wollen Bio-Verbände, Landwirtschaftskammer und Landespolitik künftig gemeinsam daran arbeiten, den ökologischen Landbau im Land auszubauen und weiterzuentwickeln.

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