Bayern, Sachsen und Thüringen starten gemeinsam ein neues Naturschutzgroßprojekt am Grünen Band. Im Mittelpunkt steht das „Grüne Band Dreiländereck Bayern – Sachsen – Thüringen“, das entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze Lebensräume erhalten, verbinden und weiterentwickeln soll. Zum Auftakt besuchte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Bettina Hagedorn, das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth. Das Bundesumweltministerium beschreibt das Vorhaben als Projekt, das Naturschutz und deutsch-deutsche Geschichte gemeinsam erlebbar machen soll.
Das Projektgebiet liegt im Dreiländereck der Landkreise Hof in Bayern, Vogtlandkreis in Sachsen und Saale-Orla-Kreis in Thüringen. Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz umfasst es rund 6.500 Hektar sowie etwa 95 Kilometer der ehemaligen innerdeutschen Grenze und zusätzlich rund 17 Kilometer entlang der deutsch-tschechischen Grenze.
Ziel ist es, die große Vielfalt wertvoller Lebensräume im Projektgebiet zu sichern, zu fördern und über Ländergrenzen hinweg besser miteinander zu vernetzen. Neben dem Grünen Band selbst spielen auch Flüsse und Bachtäler wie Südliche Regnitz, Selbitz, Muschwitz, Rodach, Sächsische Saale sowie Feile- und Kemnitzbach eine wichtige Rolle als Biotopverbundachsen.
Die ökologische Bedeutung des Grünen Bandes ist außergewöhnlich. Der frühere Grenzstreifen konnte sich über Jahrzehnte hinweg vergleichsweise ungestört entwickeln. Heute gilt er als Rückzugsraum für mehr als 1.200 bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Das Grüne Band Deutschland erstreckt sich über 1.393 Kilometer von der Ostsee bis in das Dreiländereck Sachsen, Bayern und Tschechien und ist Teil eines 12.500 Kilometer langen europäischen Biotopverbundsystems vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer.
In der nun gestarteten Planungsphase soll bis Ende Oktober 2028 ein Pflege- und Entwicklungsplan erarbeitet werden. Darin werden Naturausstattung, Gefährdungen und Potenziale des Gebiets erfasst und konkrete Maßnahmen für Schutz, Pflege und Entwicklung abgeleitet. Anschließend ist eine etwa zehnjährige Umsetzungsphase vorgesehen.
Finanziert wird die Planungsphase vor allem durch den Bund. Das Bundesumweltministerium stellt über das Förderprogramm „chance.natur“ rund 813.000 Euro bereit. Weitere Mittel kommen von Bayern, Sachsen und Thüringen in Höhe von rund 163.000 Euro sowie vom BUND als Projektnehmer mit rund 108.000 Euro. Das Bundesamt für Naturschutz begleitet das Projekt fachlich und administrativ.
Für die Region ist das Vorhaben mehr als ein klassisches Naturschutzprojekt. Das Grüne Band ist zugleich Erinnerungslandschaft und Symbol der deutschen Teilung. Medienberichten zufolge soll es als Schlüsselort deutscher Erinnerungskultur für eine Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkultur- und -Naturerbes nominiert werden.
Damit verbindet das Projekt zwei Ziele: Es soll gefährdete Arten und Lebensräume schützen und zugleich die Geschichte des früheren Grenzraums sichtbar halten. Aus dem einstigen Todesstreifen ist ein Lebensband geworden — ein Naturkorridor, der heute für Biodiversität, Biotopvernetzung und Erinnerungskultur gleichermaßen steht.
Leave a comment