Wer Bio-Obst oder Bio-Gemüse kauft, zahlt häufig mehr. Doch bekommen Verbraucher dafür tatsächlich Lebensmittel mit weniger Pestizidrückständen? Die aktuellen Ergebnisse des Ökomonitorings 2025 in Baden-Württemberg sprechen zumindest bei diesem Punkt eine deutliche Sprache: In einem Großteil der untersuchten Bio-Produkte waren überhaupt keine Pflanzenschutzmittelrückstände nachweisbar.

78 Prozent der Bio-Proben ohne nachweisbare Rückstände

Für das Ökomonitoring wurden 495 pflanzliche Lebensmittel aus ökologischem Anbau auf Rückstände chemisch-synthetischer Pestizide und weitere Kontaminanten untersucht. Das Ergebnis: In 78 Prozent der Bio-Proben fanden die Labore keine Pflanzenschutzmittelrückstände. Wo Stoffe nachgewiesen wurden, lagen die Konzentrationen überwiegend im Spurenbereich von weniger als 0,01 Milligramm pro Kilogramm.

Besonders gut schnitt Bio-Obst ab. Hier gab es 2025 keine entsprechenden Auffälligkeiten. Beim Bio-Gemüse wurden dagegen drei von 186 untersuchten Proben beanstandet: betroffen waren Süßkartoffeln aus Portugal sowie Kohlrabi und Kopfsalat aus Deutschland. Wegen erhöhter Pestizidrückstände wurde ihre Kennzeichnung als „Bio“ als irreführend beurteilt. Insgesamt lag die Beanstandungsquote bei Bio-Frischware dennoch lediglich bei rund einem Prozent.

Auch verarbeitete Bio-Produkte schneiden gut ab

Bemerkenswert sind die Ergebnisse bei verarbeiteten Lebensmitteln. Dort erreichte die Beanstandungsquote mit 1,1 Prozent laut Bericht den niedrigsten Wert der bisherigen Untersuchungsjahre. Auffälligkeiten gab es lediglich vereinzelt, unter anderem bei einer Tiefkühl-Petersilie und einem Haferdrink.

Das Ökomonitoring ist keine Untersuchung der Bio-Branche selbst. Es wird seit mehr als zwei Jahrzehnten im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung Baden-Württembergs durchgeführt. Beteiligt sind die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter des Landes.

Bio bedeutet allerdings nicht automatisch „pestizidfrei“

Für Verbraucher ist eine Unterscheidung wichtig: Ein Bio-Siegel garantiert nicht, dass sich im Labor niemals irgendein Pestizidrückstand finden lässt. Auch Bio-Produkte können beispielsweise durch Abdrift von benachbarten Feldern, Altlasten oder andere Eintragswege Spuren von Stoffen enthalten.

Genau darauf weist auch die EU-Kommission hin. Bei Untersuchungen ökologischer Erzeugnisse können Rückstände beispielsweise durch Böden, Bewässerungswasser oder Sprühnebel aus der konventionellen Landwirtschaft verursacht werden. Ein Nachweis allein beweist deshalb noch nicht, dass ein Bio-Landwirt ein unzulässiges Mittel eingesetzt hat.

Wie groß ist der Unterschied zu konventionellen Lebensmitteln?

Der grundsätzliche Unterschied ist gut belegt. Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass Lebensmittel aus biologischem Anbau weniger mit Pestizidrückständen belastet sind als konventionelle Produkte.

Auch europäische Daten bestätigen diese Tendenz. Die EU-Kommission berichtete 2026 unter Bezug auf frühere EFSA-Daten, dass bei 80 Prozent von 7.074 untersuchten Bio-Proben keine quantifizierbaren Rückstände gefunden wurden. Bei lediglich 0,9 Prozent lagen Rückstände oberhalb der jeweiligen Rückstandshöchstgehalte. Untersuchungen bestimmter im Ökolandbau nicht zugelassener Wirkstoffe zeigen ebenfalls, dass deren Nachweis in Bio-Produkten weniger wahrscheinlich ist als in vergleichbaren konventionellen Lebensmitteln.

Aber: Konventionelles Obst und Gemüse ist deshalb nicht automatisch gefährlich

Die Zahlen dürfen jedoch nicht falsch interpretiert werden. „Pestizidrückstand nachweisbar“ bedeutet nicht automatisch „gesundheitsschädlich“. Für Pflanzenschutzmittel gelten gesetzliche Rückstandshöchstgehalte.

Die jüngsten europäischen Kontrolldaten zeigen, dass 98,2 Prozent von 86.449 untersuchten Proben die EU-Rückstandshöchstgehalte einhielten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA bewertet das gesundheitliche Risiko durch die festgestellten Pestizidrückstände insgesamt weiterhin als gering.

Damit ergibt sich für Verbraucher ein differenziertes Bild: Wer möglichst wenige Pestizidrückstände aufnehmen möchte, hat mit Bio-Produkten einen messbaren Vorteil. Daraus folgt aber nicht, dass konventionelles Obst und Gemüse grundsätzlich gesundheitlich bedenklich wäre.

Was Verbraucher selbst tun können

Unabhängig von Bio oder konventionell empfiehlt es sich, Obst und Gemüse gründlich unter fließendem Wasser zu waschen und anschließend abzureiben. Die Verbraucherzentrale rät außerdem zu einer abwechslungsreichen Ernährung sowie bevorzugt zu saisonalen und regionalen Produkten. Dadurch lässt sich vermeiden, größere Mengen eines möglicherweise stärker belasteten Lebensmittels aufzunehmen.

Die Ergebnisse des Ökomonitorings liefern damit vor allem ein Argument für Verbraucher, denen die Minimierung von Pestizidrückständen wichtig ist: Bei diesem konkreten Kriterium hat Bio einen deutlichen Vorsprung. Gleichzeitig bleibt entscheidend, zwischen einem analytisch messbaren Rückstand, einer Grenzwertüberschreitung und einer tatsächlichen Gesundheitsgefahr zu unterscheiden.

Leave a comment