Der Wettbewerb um Bio-Kunden im deutschen Lebensmittelhandel bekommt neue Bewegung. Kaufland hat Anfang August eine Partnerschaft mit Naturland angekündigt. Ab 2027 sollen Artikel der Eigenmarken K-Bio Organic und K-Plant Based in Naturland-Qualität erhältlich sein.
Damit erweitert der Händler seine bisherigen Kooperationen mit den Bio-Anbauverbänden Bioland und Demeter um einen weiteren großen Verband.
Mehr als nur das EU-Bio-Siegel
Für Verbraucher ist dabei entscheidend, dass eine Naturland-Zertifizierung nicht einfach ein weiteres Logo auf der Verpackung darstellt.
Die gesetzlichen Mindestanforderungen für Bio-Lebensmittel werden durch die EU-Bio-Verordnung bestimmt. Naturland stellt darüber hinaus zusätzliche Anforderungen. Dazu gehören nach Angaben von Kaufland und Naturland unter anderem die vollständige Umstellung eines landwirtschaftlichen Betriebs auf ökologische Bewirtschaftung sowie strengere Vorgaben bei Düngung, Tierwohl und sozialen Standards.
Das bedeutet: Ein Produkt mit Naturland-Siegel muss zusätzliche Verbandsrichtlinien erfüllen und nicht lediglich die Voraussetzungen für das EU-Bio-Logo.
Gerade für preisbewusste Kunden könnte das interessant werden. Denn bislang wird Verbands-Bio häufig mit klassischen Bio-Fachgeschäften oder höherpreisigen Markenprodukten verbunden. Über Handelsmarken gelangt diese Form der Zertifizierung zunehmend in den Massenmarkt.
Kaufland baut seine Bio-Eigenmarken strategisch aus
Die Dimension des bestehenden Sortiments ist beachtlich. Nach Unternehmensangaben umfasst K-Bio Organic mittlerweile mehr als 550 Artikel nach zertifiziertem Bio-Standard. Kaufland nennt als Beispiele für sein Bio-Angebot frisches Obst und Gemüse, Wurst, Käse und Molkereiprodukte ebenso wie Tiefkühlkost und Konserven.
Mit Naturland bekommt dieses Sortiment künftig eine weitere Qualitätsstufe.
Lena Munk aus der Geschäftsleitung Einkauf International Frische bei Kaufland bezeichnet die Partnerschaft als nächsten wichtigen Schritt für das Bio-Sortiment. Bio müsse nach Auffassung des Unternehmens für möglichst viele Menschen zugänglich sein. Die Zusammenarbeit solle außerdem die Eigenmarken K-Bio Organic und K-Plant Based stärken.
Bemerkenswert ist dabei die Einbeziehung von K-Plant Based. Damit verbindet Kaufland zwei Entwicklungen, die sich zwar überschneiden, aber keineswegs identisch sind: pflanzenbasierte Ernährung und ökologische Landwirtschaft.
Ein veganes Produkt ist schließlich nicht automatisch ein Bio-Produkt – und ein Bio-Produkt nicht automatisch vegan.
Bio wird zum Wettbewerbsfaktor der Supermärkte
Hinter der Kooperation steckt deshalb auch eine klare Handelsstrategie. Bio ist längst keine kleine Nische mehr, die ausschließlich von spezialisierten Naturkostläden bedient wird.
Supermärkte und Discounter versuchen, Bio-Produkte über ihre Eigenmarken einem wesentlich größeren Kundenkreis anzubieten. Kaufland verweist selbst auf eine steigende Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in Deutschland. Gleichzeitig können Händler mit eigenen Bio-Marken stärker über Preis, Sortiment und Positionierung bestimmen als bei reinen Herstellermarken.
Mit Naturland, Bioland und Demeter setzt Kaufland dabei nicht ausschließlich auf den gesetzlichen EU-Bio-Standard, sondern zunehmend auf etablierte Verbandszertifizierungen.
Das ist auch eine Antwort auf ein Problem des Bio-Marktes: Für Verbraucher ist es teilweise schwierig geworden, zwischen gesetzlichen Mindeststandards, Verbandssiegeln und allgemeinen Nachhaltigkeitsversprechen zu unterscheiden.
Was haben Verbraucher davon?
Entscheidend wird sein, welche Produkte ab 2027 tatsächlich Naturland-zertifiziert angeboten werden – und zu welchen Preisen.
Bislang hat Kaufland keine vollständige Liste der kommenden Naturland-Produkte veröffentlicht. Auch der endgültige Umfang des Sortiments ist noch offen. Deshalb wäre es verfrüht anzunehmen, dass sämtliche Produkte von K-Bio Organic oder K-Plant Based künftig das Naturland-Siegel tragen werden. Die Ankündigung spricht von Artikeln beziehungsweise ausgewählten Produkten dieser Eigenmarken.
Genau hier dürfte die spannendste Frage liegen: Gelingt es Kaufland, strengere Verbandsstandards mit dem Preisniveau einer großen Handelsmarke zu verbinden?
Sollte das funktionieren, könnte die Kooperation den Wettbewerb im Bio-Regal verschärfen. Denn Kunden müssten sich dann möglicherweise weniger häufig zwischen günstigerem EU-Bio und teurerem Verbands-Bio entscheiden.
Naturland gewinnt Zugang zum Massenmarkt
Auch für Naturland ist die Partnerschaft strategisch bedeutsam. Der Verband erreicht nach eigenen Angaben rund 120.000 Bio-Landwirte in 60 Ländern; in Deutschland und Österreich gehören mehr als 7.500 Bio-Betriebe zur Gemeinschaft.
Durch die Präsenz auf Eigenmarken eines großen Lebensmittelhändlers kann das Naturland-Zeichen gleichzeitig deutlich häufiger im Einkaufsalltag auftauchen.
Naturland-Geschäftsführer Wilhelm Heilmann verbindet mit der Kooperation ausdrücklich das Ziel, Bio-Wertschöpfungsketten zu stärken und Lebensmittel in Naturland-Qualität mehr Menschen zugänglich zu machen.
Fazit: Der Kampf ums Bio-Regal wird härter
Die neue Partnerschaft ist deshalb mehr als eine Erweiterung des Kaufland-Sortiments. Sie zeigt eine grundlegende Entwicklung im Lebensmittelhandel: Verbands-Bio wandert zunehmend aus der spezialisierten Öko-Nische in den konventionellen Massenmarkt.
Für Verbraucher kann das ein Vorteil sein – vorausgesetzt, strengere Standards bleiben bezahlbar und die Unterschiede zwischen EU-Bio und Verbands-Bio werden transparent erklärt.
Ab 2027 wird sich zeigen, wie konsequent Kaufland diesen Weg tatsächlich beschreitet. Entscheidend werden nicht allein zusätzliche Bio-Siegel im Regal sein, sondern Sortimentsbreite, Herkunft, Preis und die Frage, wie viele Produkte tatsächlich nach den strengeren Naturland-Vorgaben zertifiziert werden.
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